Ärzte Zeitung online, 11.12.2008

Auch EU-Experten sehen belastetes Schweinefleisch nicht als Gefahr

PARMA/HAMBURG (dpa). Europäische Experten sehen keine Gefahr für die Gesundheit durch den Verzehr von Dioxin-belastetem Schweinefleisch aus Irland. Das teilte die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) in Parma (Italien) mit. 

Die Behörde reagierte mit ihrer Studie auf den Fund überhöhter Dioxinwerte in irischem Schweinefleisch. "Auch ein täglicher Konsum von Schweinefleisch mit den höchsten jetzt festgestellten Werten des Giftes würde keine gesundheitlichen Nebenwirkungen provozieren", erklärten die Fachleute.

Die europäische Behörde hatte für einen Gefahrenzeitraum von 90 Tagen zwei mögliche Szenarien untersucht. Einerseits gingen sie von der wahrscheinlicheren Situation eines täglichen Verzehrs von Dioxin- belastetem Fleisch aus, wobei nur zehn Prozent des Schweinefleisches die höchste Giftkonzentration aufweisen sollte. In diesem Fall steige der Dioxinwert im Körper um etwa zehn Prozent an. Ein derartiger Anstieg hätte jedoch keinerlei Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Werde ausschließlich Schweinefleisch mit der höchsten festgestellten Dioxin-Konzentration gegessen, würde der gesundheitlich zulässige Wert an Dioxin "nennenswert überschritten". Es bestünde nach Ansicht der Wissenschaftler jedoch außer einer Verringerung der Abwehrkräfte keine Gesundheitsgefahr.

Das aus Irland nach Nordrhein-Westfalen gelangte und zum Teil unter Verdacht der Dioxin-Belastung stehende Schweinefleisch ist zur Weiterverarbeitung ins gesamte Bundesgebiet gegangen. Seit September seien 2830 Tonnen Fleisch als Sauenhälften aus Irland nach Nordrhein-Westfalen geliefert worden, teilte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz am Mittwoch in Recklinghausen mit. Ein "Großteil" der Ware sei nach der Zerlegung an Verarbeiter in allen Bundesländern mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gegangen.

Die 2830 Tonnen Fleisch stammten nicht nur von den irischen Farmen, in deren Fleisch überhöhte Werte des dioxinähnlichen Gemischs PCB (Polychlorierte Biphenyle) entdeckt worden war. "Das ist zunächst mal die Gesamtmenge. Wahrscheinlich stammt nicht alles von den betroffenen irischen Höfen", sagte eine Sprecherin des Landesamtes. Ein kleiner Teil der zerlegten Ware sei nach Österreich, in die Niederlande und nach Belgien exportiert worden. Diese Länder seien informiert worden.

In Deutschland wurde unterdessen die Suche nach belastetem Schweinefleisch fortgesetzt. In Niedersachsen fahndeten die Behörden nach 1000 Tonnen Schweinefleisch irischer Herkunft. Unklar ist, ob das Fleisch belastet ist. Die Ware ging in 13 Landkreise. In Berlin überprüften die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter, ob rund 87 Tonnen irisches Schweinefleisch weiter verarbeitet wurden und ob der Rückruf des Fleisches eingehalten wurde.

In Brandenburg werden drei Verarbeitungsbetriebe und ein Kühlhaus überprüft. 45 Tonnen eventuell belastetes Fleisch sollen dorthin geliefert worden sein. In Thüringen wurden vier Betriebe bekannt, die über einen Zerlegebetrieb in Nordrhein-Westfalen möglicherweise dioxinbelastetes Schweinefleisch erhalten haben. Die Gesamtmenge liegt nach Angaben des Sozialministeriums vermutlich unter zehn Tonnen, wobei der Anteil irischen Fleisches daran geringer sein soll.

In Baden-Württemberg werden acht Zwischenhändler und Schlachthöfe überprüft, die Fleisch aus Irland bekommen haben sollen. Fest steht, dass aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen 260 Tonnen Fleisch in den Südwesten geliefert wurden, die auch irisches Fleisch enthalten könnten. Ob das Fleisch belastet ist, sollen Kontrollen zeigen.

Im Schlachtfleisch mehrerer Farmen in Irland war in der vergangenen Woche eine Konzentration des dioxinähnlichen Gemisches PCB (Polychlorierte Biphenyle) gefunden worden, die 80 bis 200 Mal höher als erlaubt war (wir berichteten). Verursacher der Verunreinigung war nach ersten Erkenntnissen der Behörden ein Tierfutter-Hersteller aus Irland, der falsches Öl zum Trocknen des Futters benutzt haben soll.

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