Ärzte Zeitung, 15.12.2008

Zahl der Cholera-Toten in Simbabwe auf 800 gestiegen

Seuchenalarm auch in den Grenzgebieten zu Südafrika und Mosambik / Etwa 60 000 Menschen durch Epidemie gefährdet

HARARE/GENF (dpa). Die Cholera- Epidemie in Simbabwe breitet sich weiter aus. Die Zahl der Toten habe sich auf fast 800 erhöht, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf mit. Die Hilfsorganisation Oxfam geht von 60 000 Menschen aus, die durch die Krankheit gefährdet seien.

Zentrum des Ausbruchs ist die dicht besiedelte Hauptstadt Harare. Insgesamt sollen mehr als 16 000 Menschen laut WHO erkrankt sein. Auch die Grenzregion zwischen Südafrika und Simbabwe ist inzwischen gefährdet. Die Regierung von Südafrika erklärte das Gebiet wegen der aus dem Nachbarland übergreifenden Cholera zum Notstandsgebiet. Auch der Nachbarstaat Mosambik verstärkte nach Rundfunkangaben seine medizinische Versorgung im grenznahen Mossurize-Distrikt, in dem sich ebenfalls die Cholera ausbreitet.

Zentrum der Epidemie ist die Hauptstadt Harare.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe (84) bestritt den Ausbruch einer unkontrollierten Cholera-Epidemie in seinem Land. Mit Blick auf internationale Rücktrittsforderungen gegen ihn betonte Mugabe: "Die Briten wollen wegen der Cholera eine militärische Intervention. (...) Es gibt jetzt keine Cholera mehr." Simbabwes Regierung versuchte inzwischen, die Äußerungen zu relativieren.

Mugabe-Sprecher George Charamba betonte, es habe sich um Ironie gehandelt. Mugabes Regierung hatte wegen der Epidemie den nationalen Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten. Angesichts des völligen Zusammenbruchs des öffentlichen Dienstes in Simbabwe, der sich auch auf die Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung auswirkt, ist das Gesundheitswesen dort kaum noch funktionsfähig.

Die Epidemie stellt auch die Gesundheitsbehörden in Südafrika vor wachsende Probleme. Bisher sind dort knapp 700 Menschen vor allem im Grenzgebiet zu Simbabwe erkrankt und mindestens acht daran gestorben. Besonders schwer betroffen ist die Grenzstadt Musina, die zum Fluchtpunkt für viele erkrankte Simbabwer geworden ist.

Der anglikanische Bischof Joe Seoka aus Südafrika bezeichnete Mugabe als "Hitler des 21. Jahrhunderts". Die Kirchen rufen am 25. Januar zum weltweiten Beten und Fasten für Simbabwe auf.

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