Ärzte Zeitung online, 12.12.2008

Ärzte beklagen Selbstmord-Welle in Russland wegen Finanzkrise

MOSKAU (dpa). In Russland nimmt die Zahl der Menschen, die sich wegen der Finanzkrise das Leben nehmen wollen, nach Angaben von Ärzten beunruhigende Ausmaße an. Immer mehr Russen litten unter Finanznot und Arbeitslosigkeit, sagte die Direktorin des staatlichen russischen Zentrums für Sozialpsychiatrie, Tatjana Dmitrijewa, nach Angaben der Agentur Interfax am Freitag.

Aus Nowosibirsk berichtete eine Ärztin, dass sie innerhalb eines Tages 15 Suizid-Fälle hatte, drei Mal mehr als üblich. Die Menschen wollten sich mit Medikamenten, Messerstichen oder Todessprüngen aus Fenstern und von Brücken umbringen. Die meisten seien gerettet worden.

Ärzte sprachen von einer regelrechten "Selbstmord"-Welle besonders in Sibirien. Die Experten des wissenschaftlichen Psychiatrie-Zentrums warnten vor einer weiteren Zunahme der "Selbstmorde", da wegen der Finanzkrise in Russland weitere Massenentlassungen zu befürchten seien. "In den Krankenhäusern müssen dringend Krisenzentren eingerichtet werden, damit die wachsende Zahl der psychisch Gestörten behandelt werden kann", forderte Dmitrijewa.

Ärzte sagten zudem einen zunehmenden Alkoholmissbrauch voraus. Russland verzeichnet traditionell eine der höchsten "Selbstmord"- Raten weltweit. Im vergangenen Jahr nahmen sich 41 329 Menschen in dem Riesenreich das Leben. Auf 100 000 Einwohner kamen nach offiziellen Angaben 29 Tote durch Suizid. Der Wert sei doppelt so hoch wie der internationale Durchschnitt, hieß es in Moskau.

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