Ärzte Zeitung online, 29.12.2008

Chirurg warnt: Hände weg von illegalen Silvesterböllern!

BERLIN (dpa). Hände weg von illegalen Silvesterböllern ohne Sicherheitszertifikat - denn die sind nach Expertensicht besonders gefährlich. "Die Tendenz zu schweren Verletzungen nimmt seit Jahren zu. Und das liegt vor allem an den selbst gebastelten Sprengkörpern aus Osteuropa", warnt der Chefarzt für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie am Berliner Unfallkrankenhaus Marzahn, Privatdozent Andreas Eisenschenk.

Chirurg warnt: Hände weg von illegalen Silvesterböllern!

Foto: Michael Kempf ©www.fotolia.de

Die meisten Unfälle passierten in der Regel, wenn der in die Luft geworfene Böller zu früh explodiere. "Dann sind sowohl Hand als auch Ohr und Gesicht betroffen", sagt Eisenschenk zur dpa. Der Chirurg hatte kürzlich den zerfetzten Arm der zwölfjährigen Charlyn operierte, die durch eine selbst gebastelte Bombe schwer verletzt worden war (wie berichtet).

Insbesondere Chinakracher und größere Raketen führten häufig zu schweren Unfällen. "Bei den beliebten "Sonnen" passiert in der Regel weniger. Die Verbrennungen sind meist nur oberflächlich", sagt Eisenschenk.

Aber nicht nur Hände und Kopf seien durch vorzeitig explodierende Böller in Gefahr: "Ich rate dringend davon ab, Knallkörper in die Hosentasche zu stecken." Vor allem wenn jemand Alkohol getrunken habe und sich dann möglicherweise das Feuerzug gleich mit in die Hose packe. Diese Verletzungen seien zwar nicht allzu häufig, "aber sehr unschön".

Bei den Unfällen sei der Verlust einzelner Finger nicht selten, berichtet Eisenschenk. "Aber auch die Augen- und Ohrenverletzungen sind nicht ohne. Oft ist das Hörvermögen danach dauerhaft eingeschränkt." Das Gros der Verletzten seien Männer. "Betroffen sind alle Altersklassen bis hinauf ins hohe Alter." Kinder seien vor allem am Neujahrstag gefährdet, wenn sie versuchten, nicht explodierte Raketen einzusammeln.

Der Verkauf für Silvesterfeuerwerk startet an diesem Montag und endet am 31. Dezember. Kleinfeuerwerk wie Raketen, Kanonenschläge, Schwärmer und Knallfrösche dürfen nur an Personen über 18 Jahren ausgegeben werden.

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