Ärzte Zeitung online, 05.01.2009

Glück und Stress im Sechserpack - fünf Berliner Sechslinge zu Hause

BERLIN (dpa/bb). Glück und Stress im halben Dutzend: Für die Berliner Sechslingseltern Roksana (24) und Hikmet (35) hat das neue Jahr turbulent begonnen. 82 Tage nach der ersten deutschen Sechslingsgeburt seit 20 Jahren durften die vier kleinen Mädchen und einer der zwei Jungen am Montag nach Hause zu ihren Eltern. Nur der kleine Adem muss wegen einer leichten Erkältung noch ein paar Tage länger im Virchow-Klinikum der Charité bleiben.

Zwischen 2200 und 3000 Gramm bringen die Kleinen mittlerweile auf die Waage. Bei ihrer Geburt am 16. Oktober lag das Gewicht der Winzlinge mit ihren gerade einmal daumengroßen Beinchen bei lediglich 800 bis 900 Gramm.

Streng abgeschirmt von neugierigen Blicken wurden die Kleinen in warme Schlafsäcke eingemummelt in fünf bereitstehende Krankenwagen gebracht. Bevor die Kinder nach Hause durften, wurden sie noch einmal sorgfältig durchgecheckt. Mutter Roksana bedankte sich auf der Säuglingsstation mit Handschlag bei den Schwestern und Ärzten, die ihre Kinder liebevoll umsorgt hatten. Sie sei froh, dass nun alle zusammen seien, sagte die Mutter nach Angaben eines Sprechers.

"Womit die Eltern jetzt kämpfen müssen, sind weniger medizinische als organisatorische Probleme", sagte der Leiter der Frühgeborenenstation, Professor Christoph Bührer. "Alle drei bis vier Stunden müssen die Kinder gefüttert werden und die Windeln gewechselt bekommen. Bei Sechslingen sind sie da leicht drei Stunden beschäftigt. Und dann geht es wieder von vorne los." Bührer sagte, alle Kinder seien in einem guten Zustand. Dass sie mit Spätfolgen der Frühgeburt kämpfen müssen, sei "eher unwahrscheinlich".

Schon in den knapp drei Monaten, in denen die Sechslinge in der Klinik waren, hatten die Eltern alle Hände voll zu tun. Roksana war täglich bei den Kleinen, um sie zu wickeln und zu füttern - sie bekommen Muttermilch und eine spezielle Frühgeborenennahrung mit Eisen und Kalzium.

Um den ganzen Aufwand und das große Medieninteresse einigermaßen bewältigen zu können, arbeitet das Paar mit einem PR-Berater zusammen. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte das Sextett schon mit gut sieben Wochen.

Thomas Gottschalk hatte die Kinder und ihre Eltern für die Gala "Ein Herz für Kinder" Anfang Dezember in der Klinik besucht. Mutter Roksana, die vor einigen Jahren zum muslimischen Glauben gewechselt ist und ein Kopftuch trägt, sprach von einem großen Wunder. "Man wacht jeden Tag auf und glaubt es immer noch nicht."

Die aus Polen stammende Roksana, die schon etwa 20 Jahre in Berlin lebt, und ihr türkischstämmiger Ehemann erhalten neben der staatlichen Hilfe auch Unterstützung von der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder", die von der "Bild"-Zeitung getragen wird.

Die Organisation half auch bei der Einrichtung der gut 100 Quadratmeter großen Wohnung im Neuköllner Stadtteil Britz. Unter anderem wurden so sechs Bettchen, Kinderwagen, eine zusätzliche Waschmaschine und ein Auto mit neun Sitzen angeschafft. Auch für eine zusätzliche Hilfskraft für ein Jahr ist gesorgt, wie Berater Stephan Clausen sagt.

Helfende Hände können Roksana und Hikmet, die bereits eine vier Jahre alte Tochter haben, sicher mehr als genug gebrauchen. So ist auch Roksanas Mutter bereits fest für die Babybetreuung eingeplant. Vater Hikmet hat nach einem Bericht der "Bild-Zeitung" seinen Job als Entrümpler zunächst aufgegeben, um mit für die Kinder da zu sein. Hinzu kommt eine Helferin für die Nacht.

Trotz aller guten Vorbereitung dürften die nächsten Tage, Wochen und Jahre für die Sechslingseltern zu einer Herausforderung werden. Einen ersten Vorgeschmack bekamen sie schon bei der Wohnungssuche. Nicht jeder Vermieter habe verständnisvoll reagiert, als von sieben Kindern die Rede war, hieß es. Hinzu kam, dass die Eltern in ihrem gewohnten Kiez bleiben wollten, vor allem mit Rücksicht auf die vierjährige Meryem. Sie sollte bei all dem Trubel nicht auch noch den Kindergarten wechseln müssen.

Rana, Adem, Esma, Zeynep, Zehra und Ahmed waren nach 27 Schwangerschaftswochen und damit viel zu früh auf die Welt gekommen. Bei einem normalen Verlauf der Schwangerschaft hätten sie - sicher nicht zu sechst - erst am 17. Januar das Licht der Welt erblickt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Sechslingsgeburt liegt bei 1:4,4 Milliarden und ist damit wesentlich geringer als die Chance auf einen Sechser im Lotto.

Die meisten Geburten mit mehr als zwei Kindern sind heute die Folge von Hormonbehandlungen. So war es auch bei der Mutter der Sechslinge. Entstehen dabei derart viele Föten, werden wegen der hohen Gefahr auch für das Leben der Mutter oft einige der Ungeborenen wieder getötet. Aber das wollte Roksana nicht. "Die Mutter wollte keine Entscheidung treffen", sagt Medienberater Clausen.

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