Ärzte Zeitung, 19.01.2009

Ventilator an! Das mindert das Risiko für den Kindstod

Fall-Kontroll-Studie ergibt: mit Ventilator 72 Prozent weniger SIDS als ohne

BERKELEY (hub). Ventilatoren gehen mit einem geringeren Risiko für den plötzlichen Kindstod (SIDS) einher. Denn in einer Studie gab es bei Kindern mit eingeschaltetem Ventilator im Raum 72 Prozent weniger SIDS-Tote als ohne das Gerät.

Ventilator an! Das mindert das Risiko für den Kindstod

Einfache Maßnahmen schützen den Säugling vor SIDS.

Foto: Milen Lesemann©fotolia.com

In der Fall-Kontroll-Studie wurden Eltern von 185 Kindern mit bestätigter SIDS-Diagnose und Eltern von 312 anderen Kindern befragt (Arch Pediatr Adolesc Med 162, 2008, 963). Die Ergebnisse bestätigen nicht nur die bekannten SIDS-Risikofaktoren wie Bauchlage des Kindes, Rauchen der Eltern, sondern weisen auch auf den Nutzen von Ventilatoren hin.

Die Luftverwirbeler hatten dabei den positiven Effekt bei allen Temperaturen. Im Mittel gab es 72 Prozent weniger SIDS-Tote. Der Nutzen war bei Raumtemperaturen über 21°C mit 94 Prozent deutlich ausgeprägter als bei niedrigeren Temperaturen. Hier war die SIDS-Rate 33 Prozent geringer als ohne Nutzung eines Ventilators. Die Raumtemperatur an sich hatte keinen Einfluss auf die SIDS-Häufigkeit.

Der Grund für den Ventilatoreffekt ist zwar bisher unklar, die von den Studienautoren genannte mögliche Erklärung erscheint jedoch plausibel: Der Ventilator bringt die Luft im Raum in Bewegung, wodurch weniger Kohlendioxid über dem Mund des Kindes akkumulieren kann. Eine solche Anreicherung führe dazu, dass das Kind CO2 statt Sauerstoff einatmet.

Auch bekannte Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod wurden in der Studie bestätigt: Rauchen während der Schwangerschaft und post partum, Schlafen im elterlichen Bett oder in Bauchlage, ein niedriges Geburtsgewicht (unter 2500 g) oder ein früher Geburtstermin (unter 37 Wochen). Weitere Informationen zum plötzlichen Kindstod im Internet:www.schlafumgebung.dewww.geps.de

SCHUTZ VOR PLÖTZLICHEM KINDSTOD (SIDS)

  • Schlafsack benutzen, keine Decke
  • Ventilator anstellen
  • keine Überwärmung, Raumtemperaturen von 16 bis 18°C sind optimal
  • unbedingt rauchfreie Umgebung
  • zum Schlafen das Kind immer auf den Rücken legen
  • eigenes Babybett verwenden, im elterlichen Schlafzimmer aufstellen, so ist das Kind immer in der Nähe
  • kein Schaffell, keine wasserdichten Einlagen, das verhindert den Temperaturausgleich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »