Ärzte Zeitung online, 27.01.2009

Mehrlingsgeburten - seltenes Ereignis mit hohem Risiko

HAMBURG (dpa). Mehrlingsbabys sind meist Frühgeburten, die durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen. Die Überlebenschance der Säuglinge hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit sie im Mutterleib verbracht haben. Die oft weniger als 1000 Gramm schweren Frühchen bedürfen einer besonderen ärztlichen Betreuung.

Je später die Kinder zur Welt kommen, desto besser sind ihre Chancen. Bei der Mutter der kalifornischen Achtlinge war es den Ärzten gelungen, die Schwangerschaft bis zur 30. Woche zu erhalten.

Bei vergangenen Achtlingsgeburten sind viele Kinder gestorben: In Mailand überlebten im Jahr 2000 nur vier von acht Kindern.

Eine Texanerin brachte 1998 erstmals in den USA Achtlinge zur Welt. Von ihnen leben heute noch sieben.

Keines der Babys einer Britin überlebte, die 1996 gegen den Rat ihres Arztes ihre Achtlinge austrug.

Von den acht Kindern einer Frau in Neapel starben 1979 sechs.

Bei dem bisher einzigen dokumentierten Fall in Deutschland haben die 1977 in Jena geborenen Achtlinge nicht überlebt.

Auch für die Mutter sind Mehrlingsschwangerschaften riskant: Ihr Sterberisiko erhöht sich - im statistischen Durchschnitt - auf das Dreifache.

Große Mehrlingsschwangerschaften sind oft Folge einer Fruchtbarkeitsbehandlung mit Hormonen, mit der die Produktion von Eizellen angekurbelt wird. Auch die künstliche Befruchtung kann zu Mehrlingen führen, weil mehrere befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden - in Deutschland maximal drei. Eine Mehrlingsschwangerschaft kann auch natürlich entstehen, wenn die Eierstöcke der Frau zwei oder mehr Eizellen gleichzeitig produzieren oder sich ein befruchtetes Ei in einem frühen Stadium teilt.

Die Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Vierlingsgeburt liegt bei eins zu 600 000, für Fünflinge bei eins zu 50 Millionen und für Sechslinge nur noch bei eins zu 4,4 Milliarden. Auch wenn sich die Zahl der Mehrlingsgeburten in den vergangenen 30 Jahren wegen des zunehmenden Einsatzes von Hormonen erhöht hat, sind Fünflinge und Sechslinge nach wie vor selten. Von 1950 bis 2007 gab es in Deutschland lediglich 33 Fünflingsgeburten, nur fünfmal erblickten gleich sechs Kinder das Licht der Welt.

Die höchste Zahl bei einer Mehrlingsgeburt wurde 1971 aus Australien gemeldet: Dort kamen Neunlinge zur Welt, die jedoch alle nach wenigen Tagen starben.

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