Ärzte Zeitung online, 28.01.2009

DNA-Tests sollen Rätsel um mutmaßlichen Editha-Sarg lösen helfen

HALLE (dpa). Nach dem Fund eines Sarges mit den mutmaßlichen Gebeinen der Königin Editha (910-946) in Magdeburg wollen Experten in den kommenden Monaten klären, ob es sich tatsächlich um die erste Gemahlin von König Otto dem Großen (912-973) handelt. Helfen soll dabei eine DNA-Analyse.

"Wir können möglicherweise nachweisen, ob es tatsächlich eine 36-jährige Frau ist, ob sie Stressfaktoren ausgesetzt war und welche Ernährungsgewohnheiten sie hatte", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Mittwoch bei der Präsentation des Fundes in Halle. Auch ein DNA-Test ist geplant.

Die erste Gemahlin von König Otto dem Großen (912-973) ist nach ihrem Tod mehrfach umgebettet worden. Der Magdeburger Domprediger Giselher Quast warf den Archäologen um Meller Störung der Totenruhe vor: "Dieser Sarg hätte nie geöffnet werden dürfen. Gräber werden bei uns in der Evangelischen Kirche nicht angerührt!" sagte er. "Wir haben kein Interesse an sensationellen Enthüllungen. Wir haben ein Interesse an der Ruhe der Toten."

Bei archäologischen Grabungen war im Herbst der Bleisarg entdeckt worden. In ihm liegen - in Leinentücher gewickelt - lange Knochen und ein Stück Kiefer. Der Sarg befand sich zur Überraschung der Experten in einem steinernen Scheingrab - einem sogenannten Kenotaph - aus dem Jahr 1510. Normalerweise dient ein solches Grabdenkmal als Erinnerung für einen an anderer Stelle beigesetzten Toten. "Die Magdeburger sind clever. Sie haben es da versteckt, wo man es am wenigsten vermutet hat", sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD).

Inschriften auf dem Deckel des Scheingrabs und auf dem nur 70 Zentimeter langen und 25 Zentimeter breiten Bleisarg deuten auf Editha hin. Die Königin ist eng mit der Magdeburger Geschichte verbunden, sie bekam die Stadt von ihrem Gatten 929 zur Hochzeit geschenkt. Meller spricht von "einer der bedeutendsten Entdeckungen der Mittelalter-Archäologie."

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