Ärzte Zeitung online, 30.01.2009

Käfer mit Fernsteuerung - Forscher implantieren Mikrochip

BOSTON/HAMBURG (dpa). US-Forscher haben einem Käfer einen Mikrochip eingepflanzt, mit dem sie das Insekt fernsteuern können. Der Käfer startet und landet per Funksignal und biegt auf Wunsch rechts oder links ab. Was sich auf den ersten Blick wie ein Spaß liest, könnte zukünftig sinnvolle Einsatzgebiete finden.

So könnte das von der US-Militärforschungsagentur DARPA geförderte Projekt einmal für Überwachungs- oder Rettungseinsätze nützlich sein, berichtet die US-Zeitschrift "Technology Review" in ihrem Internetauftritt. Der "Cyborg-Käfer" wurde jetzt auf einer Fachmesse im italienischen Sorrent vorgestellt.

Die Käfer-Fernsteuerung besteht aus einem Standard-Mikroprozessor, einem handelsüblichen Funkempfänger und einer Batterie, die gemeinsam auf einer kleinen Platine fixiert sind. Sechs Elektroden laufen von dort in die Flügelmuskeln und in den für optische Reize zuständigen Hirnbereich. Oszillierende Signale in diesen Hirnbereich lassen den Käfer abheben, ein kurzer Impuls führt zur Landung. Signale an den rechten oder linken Flügelmuskel führen zu einer Kurve in die entsprechende Richtung.

Die Gruppe um Michel Maharbiz von der Universität von Kalifornien in Berkeley hatte zuvor schon andere "Cyborg-Käfer" geschaffen, der jetzt präsentierte ist nach Informationen von "Technology Review" jedoch der erste mit einer Funkfernsteuerung. Bisherige Forschungen zur Kontrolle des Insektenflugs hätten sich vor allem auf Motten konzentriert. Käfer könnten jedoch mehr "Nutzlast" tragen und seien einfacher zu steuern, schreibt das Magazin. Die nur kurzen benötigten Pulse verlängerten die Batterielebensdauer.

Bemühungen, miniaturisierte Fluggeräte zu bauen, stoßen auf zahlreiche Schwierigkeiten. Mit dem "Cyborg-Käfer" gehen die Forscher einen anderen Weg, indem sie die perfekten Flugkünste der Insekten für ihre Zwecke ausnutzen.

Weitere Informationen auf: www.eecs.berkeley.edu/Research/Projects/Data/105682.html

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