Ärzte Zeitung online, 13.02.2009

Die Mumie kehrt zurück - dank CT

CHICAGO (eb). Archäologen aus Chicago haben ein hochauflösendes 3D-Modell von einer Mumie erstellt, ohne dafür den Sarkophag zu öffnen. Sie verwendeten einen neuen Computertomografen, der ursprünglich für medizinische Zwecke entwickelt wurde.

Mit dem 3D-Scanner kann Schicht für Schicht betrachtet werden, bis schließlich das Skelett selbst zum Vorschein kommt.

Foto: Philips

Bei der Mumie handelt es sich um die ägyptischen Frau Meresamun, die um 800 v. Chr. in einem Tempel in Theben Priesterin gewesen sein soll. Ihr Sarg ist vollständig intakt und geschlossen. Die Kuratoren des orientalischen Museums von Chicago haben sich bisher gegen eine eingehendere Untersuchung der Mumie gewandt, um eine Beschädigung zu vermeiden.

Die Computertomografie lieferte nun erstmals 3D-Bilder der Frau. Die Aufnahme erfolgte im ersten Schritt mit einem herkömmlichen CT mit 64 Detektorzeilen. Anschließend wurden die Aufnahmen mit einem neuen Gerät von Philips wiederholt, das eine wesentlich höhere Auflösung erlaubt. So konnten die Wissenschaftler tausend Bilder erstellen, die zusammengerechnet ein detailliertes 3D-Bild von Meresamun ergeben.

Dank der Technologie erfuhren die Forscher, dass die Mumie in mehrere Schichten Leinenbinden eingehüllt ist. Zu sehen sind auch Objekte in den Augenhöhlen ebenso wie die noch vorhandenen inneren Organe.

Der von Philips für medizinische Zwecke entwickelter Computertomograf macht die 3D-Aufnahmen einer Mumie.

Foto: Philips

Meresamun soll etwa um 800 v. Chr. gelebt haben und zum Zeitpunkt ihres Todes ungefähr 30 Jahre alt gewesen sein. Die Zeichen an ihrem Sarg deuten darauf hin, dass sie im Amuntempel im südägyptischen Theben Priesterin und Sängerin war. Diese Vermutung stützen die Forscher auf Erkenntnisse über andere Frauen, die denselben Namenstitel trugen. Ebenso ist wahrscheinlich, dass Meresamun einer sehr einflussreichen Familie entstammte.

Von der Technik zeigt sich Professor Michael Vannier von der Universität Chicago begeistert: "Der iCT-Scanner ermöglicht uns, selbst komplexe Anatomien in Sekundenschnelle zu analysieren." Die Bilder seien schärfer und kontrastreicher als alle bisherigen Aufnahmen, so der Radiologe. "Wir sehen kleinste Dinge, zum Beispiel Abnutzungserscheinungen an Zähnen. Darüber hinaus lassen sich die einzelnen Einbalsamierungsschritte deutlich nachvollziehen und das Alter besser bestimmen."

"Er wurde für höchste Leistungen bei routinemäßigen Kopf- und Körperscans entwickelt und soll für anspruchsvolle Fälle wie herzkranke, verletzte und adipöse Patienten sowie von der Kinder- bis zur Altersheilkunde eingesetzt werden", sagt Dr. John Steidley von Philips über den neuen CT-Scanner.

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