Ärzte Zeitung online, 16.02.2009

Online-Spieler scheuen die Ferne - Kontakte im Umkreis bevorzugt

CHICAGO (dpa). Die ganze Welt steht ihnen offen. Dennoch wählen die Teilnehmer grenzenloser Online-Spiele ihre Partner eher im überschaubaren Umkreis als auf fernen Kontinenten aus. Dieses Ergebnis einer Untersuchung von 7000 Computerspiel-Fans stellte der amerikanische Verhaltensforscher Noshir Contractor am Samstag auf der Jahrestagung des Wissenschaftsverbandes AAAS in Chicago vor.

Contractor und sein Team an der Northwestern Universität im US- Bundesstaat Illinois werteten die "digitalen Spuren" aus, die Teilnehmer des Fantasy-Spiels "EverQuestII" im Internet hinterließen. Diese Datensammlung komplementierten sie mit den Ergebnissen einer Umfrageaktion unter den 7000 Menschen. In "EverQuestII" übernehmen die Mitspieler Rollen, kommunizieren miteinander, lösen gemeinsam knifflige Aufgaben und setzen sogar Geld ein.

"Wir sehen (aus den Daten), mit wem die Teilnehmer sich unterhalten, mit wem sie gespielt oder sich in einer anderen Form ausgetauscht haben", erläuterte Contractor auf der Tagung. In den Daten sieht er, "einen Mikrokosmos" der Gesellschaft. Zu den Erkenntnissen der Analyse gehört auch, dass viele "Gamer" deutlich unterschätzen, wieviel Zeit sie mit dem Online-Spiel verbringen. Die Anzahl derer, die sich als depressiv beschreiben, sei ungewöhnlich hoch, und das Durchschnittsalter liege deutlich über dem von Teenagern, führte Contractor weiter aus.

Was den Verhaltensforscher eigenen Angaben zufolge aber am meisten überraschte, war die Partnerwahl aus dem geographischen Umkreis. "Sie können mit jedem beliebigen Menschen irgendwo auf der Welt kommunizieren. Letztlich aber endet die Suche fünfmal so häufig bei einem Partner aus dem Zehn-Kilometer-Radius als bei einem aus 100 Kilometer Entfernung". Das hieße, dass die Online-Spiele nicht so sehr neue Netzwerke aufbauten, sondern vielmehr bestehende festigten, meint Contractor.

Seinen Angaben zufolge haben virtuelle Spiele wie "EverQuestII" eine weltweite Anhängerschaft von 45 Millionen "massiven Mitspielern".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »