Ärzte Zeitung online, 03.03.2009

Verwarnung für Behördenmitarbeiterin im Fall Lea-Marie

GÜSTROW (dpa). Eine frühere Jugendamtsmitarbeiterin trägt eine Mitschuld am jahrelangen Leidensweg der kleinen Lea-Marie aus Mecklenburg-Vorpommern. Das entschied das Amtsgericht Güstrow am Dienstag.

Das Gericht verwarnte die 56 Jahre alte Angeklagte und sprach sie der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen schuldig. Zudem verhängten die Richter eine zur Bewährung ausgesetzte Geldstrafe. Jahrelang waren dem Kind von der eigenen Mutter ätzender Kalkreiniger und Essigessenz eingeflößt worden. Das Mädchen trug bleibende Schäden davon. Es lebt heute in einer Pflegefamilie.

Laut Urteil hätte dem Kind der jahrelange Leidensweg erspart werden können, wenn die Behörden frühzeitig eingegriffen hätten. Eine besorgte Ärztin informierte die Behörde 2003 über Ungereimtheiten im Krankheitsbild des Kindes und regte einen Hausbesuch an. Die Jugendamtsmitarbeiterin hatte eingeräumt, den Anruf entgegengenommen zu haben. Die Hinweise habe sie per Notiz einer Kollegin übermittelt, den Vorgang aber nicht weiter verfolgt. Die 56-Jährige soll laut Urteil auch 2000 Euro an das Mädchen zahlen. Die Mutter des Kindes wurde - inzwischen rechtskräftig - zu neun Jahren Haft verurteilt.

Nach Überzeugung des Gerichts wird die Schuld der inzwischen ins Sozialamt versetzten Mitarbeiterin durch erhebliche Versäumnisse aufseiten der Ärzte gemildert. Diese hätten auch zu spät einen Rechtsmediziner eingeschaltet, der schließlich 2006 - nach rund 30 Klinikaufenthalten des Kindes - Strafanzeige stellte und so die Ermittler auf die Spur der Mutter brachte. Die Staatsanwältin, die eine Geldstrafe von 6000 Euro gefordert hatte, wies in ihrem Plädoyer auf die "Garantenpflicht" hin, die das Jugendamt als Beschützer von Kindern für deren Wohl trage. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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