Ärzte Zeitung online, 06.03.2009

Experten fordern mehr Mehrsprachigkeit bei Kindern

OSNABRÜCK (dpa). Die Mehrsprachigkeit von kleinen Kindern sollte nach Ansicht von Wissenschaftlern dringend gefördert werden. Neuen Forschungen zufolge hätten mehrsprachig aufgewachsene Kinder Vorteile im Vergleich zu einsprachigen Kindern, sagte Professor Alexander Bergs am Donnerstag.

"Die Mehrsprachigkeit ist in der Welt die Regel. Die Einsprachigkeit in Europa ist die Ausnahme", sagte der Anglistiker bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in Osnabrück. Als Konsequenz sollten Kinder mit ausländischer Abstammung beispielsweise Unterricht in ihrer Muttersprache erhalten.

   Deshalb sollten Lehrer umdenken, forderte der Linguist. Pädagogen gingen häufig falsch mit Kindern um, die von zu Hause aus mit mehren Sprachen aufwachsen würden und in Deutsch noch nicht perfekt seien. "Das muss man nicht als Defizit abtun, sondern als angelegte Mehrsprachigkeit fördern", sagte Bergs. Den Kindern sollte das nicht "ausgetrieben" werden. "Da gehen Kompetenzen, da geht wirklich Kapital verloren. Das ist ein Skandal", betonte er.

   Auch das Lernen einer Fremdsprache in Kindergärten oder in der Grundschule müsse unterstützt werden, betonte Bergs. Dabei gehe es nicht darum, Erzieher in den Kindergärten zu Lehrern auszubilden; die Sprachlehrer könnten auch in die Kindergärten kommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Bruch mit dem deutschen Verordnungssystem?

Eine Gesetzesänderung ermöglicht Ärzten seit kurzem, Cannabis zulasten der Kassen zu verschreiben. Der Patient bezieht Cannabis aus der Apotheke. Das neue Rechtskonstrukt sehen viele aber als "Systembruch". mehr »