Ärzte Zeitung online, 11.03.2009

US-Achtlingsmutter gibt "irrationale" Entscheidung zu

LOS ANGELES (dpa). Die kalifornische Achtlings-Mutter Nadya Suleman hat in einem Fernsehinterview eingeräumt, dass die Zeugung so vieler Babys möglicherweise ein Fehler war. "Ich habe nicht klar nachgedacht. Rückblickend würde ich es noch einmal machen? Ich weiß es nicht", sagte die 33-jährige arbeitslose Mutter von insgesamt 14 Kindern in der Talkshow von Dr. Phil McGraw.

Die Interviews des Psychologen und Fernsehmoderators McGraw sollten am Dienstag und Mittwoch im US-Fernsehen laufen. Auszüge wurden vom Internetdienst "Usmagazine.com" vorab verbreitet.

Es war eine "irrationale" Entscheidung, die sie mit dem Herzen, aber nicht mit dem Kopf getroffen habe, sagte Suleman über eine weitere Fruchtbarkeitsbehandlung, nachdem sie bereits sechs Kinder mithilfe künstlicher Befruchtung zur Welt gebracht hatte. Sie wolle aber klarstellen, dass sie all ihre Kinder liebe.

Suleman hatte Ende Januar in Kalifornien Achtlinge per Kaiserschnitt entbunden. Die Babys sind noch im Krankenhaus, könnten aber in den nächsten Wochen in die Obhut der Mutter entlassen werden. Bis jetzt lebte die Frau mit ihren sechs Kleinkinder bei ihren Eltern in der Ortschaft Whittier. Sulemans Vater, Ed Doud, habe nun im Bezirk Orange County ein größeres Haus mit vier Schlafzimmern und einem großen Garten für über eine halbe Million Dollar (über 392 000 Euro) gekauft, berichtete "People.com" am Dienstag. US-Medien meldeten kürzlich, die Familie sei hoch verschuldet und könnte ihr Haus in Whittier bald verlieren.

Das neue Haus sei viel geräumiger, sagte Sulemans Mutter Angela am Dienstag der US-Zeitschrift "People". Die 33- jährige arbeitslose Mutter lebte vor der Geburt der Achtlinge mit ihren sechs kleinen Kindern bei den Eltern in Whittier bei Los Angeles.

Die Achtlings-Mutter will nun offensichtlich auch die Hilfe der gemeinnützigen Gruppe "Angels in Waiting" annehmen, die rund um die Uhr Krankenschwestern und Betreuerinnen für die Pflege der Babys angeboten hatten. Laut "People" sollen sich bis zu 14 Helferinnen täglich um die Kinderschar kümmern, sobald die Frühchen das Krankenhaus verlassen dürfen. Die Wohltätigkeitsorganisation will die Kosten für die Pflege übernehmen.

Suleman, die sämtliche vierzehn Kinder durch künstliche Befruchtung gezeugt hatte, war nach der Achtlingsgeburt rasch ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Ihr eigener Vater klagte im US-Fernsehen ihr Verhalten als "absolut verantwortungslos" an. Für einige ihrer Kinder bezieht sie Sozialhilfe und wird zusätzlich von ihren Eltern unterstützt. Zeitweise bat die junge Mutter auf ihrer Webseite um Spenden, zudem erhielt sie Geld für Interviews und Aufnahmen der kinderreichen Familie.

Die Kalifornierin hatte sich die Embryonen in einer Klinik in Beverly Hills einpflanzen lassen. Die staatliche Gesundheitsbehörde prüft derzeit, ob der behandelnde Arzt seine medizinische Fürsorgepflicht verletzt hat. In Deutschland ist ein solcher Eingriff verboten. Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz dürfen Ärzte einer Frau höchstens drei Embryonen pro Zyklus einsetzen. In den USA gibt es dagegen keine gesetzlich festgeschriebene Höchstgrenze.

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