Ärzte Zeitung online, 11.03.2009

Polizeipsychologe: Ein Amoklauf ist meist lange geplant

LAHR (dpa). Ein Amoklauf ist nach Erfahrung des Polizeipsychologen Martin Jakubeit in den meisten Fällen lange geplant und gut vorbereitet. "Der Entschluss zur Tat reift in einem langen Zeitraum heran", sagte der 48 Jahre alte Experte am Mittwoch im badischen Lahr. Auslöser könne dann aber eine Kleinigkeit sein. "Ein unspezifisches Ereignis reicht als Auslöser, es dient dann als Zündstoff."

Mit dem Amoklauf übe der Täter Rache für Vorkommnisse, durch die er sich ungerecht behandelt, gedemütigt und ausgegrenzt fühle. "Der Tatort steht in Bezug zu übergroßen Kränkungen, Verletzungen und Enttäuschungen, die der Amokläufer erlebt hat", erläuterte Jakubeit im Gespräch mit dpa. "Die meisten jugendlichen Täter sind schwache Personen mit wenig sozialer Bindung, sie sind verschlossen und in sich gekehrt." Die Tat werde oft inszeniert. Zum Beispiel dadurch, dass sich der Täter auffällig kleide, oft nach dem Vorbild von Kampffiguren aus dem Internet oder Computerspielen.

Die Täter seien vertraut im Umgang mit Schusswaffen, entweder aus dem Internet oder in der Realität. "Kommt es zu einem Amoklauf, sind Verhandlungen mit dem Täter eher unwahrscheinlich", sagte Jakubeit, der seit 13 Jahren als Polizeipsychologe arbeitet und unter anderem polizeiliche Verhandlungen mit Gewalttätern führt. "Der Amokläufer fühlt sich als Herr über Leben und Tod. Das macht ihn so gefährlich." Die eingesetzten Polizeibeamten stünden unter einem enormen Druck, weil sie auf der Suche nach dem Täter in Lebensgefahr seien.

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