Ärzte Zeitung, 20.03.2009

Psychiater mit Motorrad auf Spenden-Tour

Eine Tour von einem südafrikanischen Fußballstadion zum anderen - das ist das neue Projekt der Euro- Biker. Die Motorrad-Gruppe sammelt Spenden für Aids-Kranke in Afrika und Kliniken in Osteuropa.

Von Christian Beneker

,, Schimpfen Sie nicht auf den Motorradfahrer vor Ihnen - er könnte Ihr Hausarzt sein." Psychiater Dr. Hermann Munzel aus Weye bei Bremen Hier auf seinem Motorrad bei einer Tour der Euro-Biker Organisation, die im Jahr 2005 auch nach Rumänien führte..

BREMEN. Mit seiner Leidenschaft für schwere Maschinen - seine Maschine sei "ein Leichtgewicht von 290 Kilo" - ist der Psychiater Dr. Hermann Munzel aus Weye bei Bremen zum zweiten Vorsitzenden der "Euro-Biker" geworden. Er kümmert sich in der Gruppe aus engagierten Motorrad-Fahrern - halb Hobby-Club, halb Hilfsverein - um die Charity-Projekte. Für Ende des Jahres planen sie ihr bisher aufwendigstes Wohltätigkeitsprojekt, eine Tour durch Südafrika zugunsten AIDS-kranker Kinder.

Mit dieser "Ride of Tolerance" genannten Tour geht es über den Jahreswechsel 2009/ 2010 erstmals nach Übersee. Unter der Schirmherrschaft von Erzbischof Desmond Tutu werden rund 150 Euro-Biker und 200 Krad-Fahrer aus Südafrika von Johannesburg nach Kapstadt fahren, um für mehr Toleranz mit AIDS-Kranken zu werben und Spenden zu sammeln. Da 2010 die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika stattfindet, soll die Tour von Stadion zu Stadion führen. So spannen die Fahrer quer durchs Land ein "Band der Solidarität", wie Munzel erklärt: "Wir werden begleitet werden von Künstlern, Musikern und Journalisten."

Die Tour soll Spenden buchstäblich einfahren.

Die Tour soll Spenden buchstäblich einfahren. "Jeder Kilometer der Fahrt soll symbolisch verkauft werden", sagt Munzel. Die Spenden gehen dann an das Hilfswerk "Hope of Capetown" des deutschen Pfarrers Stefan Hippler. Schon jetzt sind einige Radiosender im Land Paten für einzelne Strecken-Abschnitte. Außerdem sammeln die Biker Geld für das Hilfswerk "Philani" in Kapstadt, um Zahnbehandlungen von Kindern zu bezahlen.

Der direkte Kontakt zu Bedürftigen ist für den Arzt eine Wohltat: "Durch die Dumpingpreise in der Krankenversorgung ist unser Berufsalltag manchmal menschenverachtend geworden. Die Begegnungen auf unseren Touren sind da ein echter Ausgleich."

Entstanden sind die Euro-Biker aus der Motorrad-Sportgruppe des Deutschen Bundestages, berichtet Munzel. Mit ihren Touren wollen sie "mitbürgerliches Engagement" in Gegenden tragen "in denen politische Machtkämpfe, ideologische Auseinandersetzungen oder von Religion geprägte kämpferische Feindschaft das alltägliche Leben prägen", heißt es in der Selbstvorstellung. Zum Kuratorium gehören Pfarrer, Bundestags-Abgeordnete und Journalisten. Für ihre Projekte konnten die Euro-Biker immer wieder prominente Schirmherren gewinnen - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört dazu. Bisher haben die Euro-Biker Spenden für Osteuropa eingeworben. 2008 brachten sie acht Lastwagen mit Klinikeinrichtungen und Material für Kinderheime nach Bulgarien.

Nebenbei werben die Biker auch in eigener Sache, wenn sie im Pulk durchs Land rauschen. "Wir sind keine Rocker", sagt Munzel und erzählt seinen Lieblingswitz: "Schimpfen Sie nicht auf den Motorradfahrer vor Ihnen - er könnte Ihr Hausarzt sein."

Internet: www.eurobiker.de

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