Ärzte Zeitung online, 16.03.2009

EU-Kommissar Barrot kritisiert Malta als "rassistisch"

ROM (dpa). EU-Innenkommissar Jacques Barrot hat Malta wegen der Behandlung von Bootsflüchtlingen scharf kritisiert. "Maltas Haltung gegenüber den Immigranten ist überaus rassistisch, und das muss sich ändern", erklärte der EU-Innenkommissar laut italienischen Medienberichten vom Sonntag bei einem Besuch der Mittelmeerinsel am Vortag.

Barrot besuchte unter anderem den berüchtigten "Hermes Block" des Auffangzentrums "Hal Far", der wegen seiner inhumanen Bedingungen immer wieder in die Kritik von Hilfsorganisationen geraten war. Die Flüchtlinge hätten ihn hinter Stacheldraht mit "Freiheit"-Spruchbändern empfangen, hieß es.

Die Flüchtlingslager von Malta haben einen äußert schlechten Ruf. Als "erschreckend" hatte noch im Januar eine UN-Beobachtergruppe die Lage dort bezeichnet. Im Februar steckten aufgebrachte tunesische Flüchtlinge Matratzen in Brand, um für ihre Abschiebung ins Heimatland und gegen den Zwangsaufenthalt in einem der Lager zu demonstrieren. Aus Protest gegen die dramatischen Bedingungen, unter denen die illegalen Einwanderer in den Auffanglagern festgehalten werden, hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) am vergangenen Freitag die Suspendierung ihrer Arbeit in den geschlossenen Einrichtungen angekündigt.

"Trotz der wiederholten Aufforderung an die Malteser Behörden und trotz der massiven Zunahme der Flüchtlinge hat sich in den vergangenen acht Monaten dennoch nichts verändert", beklagte der italienische MSF-Verantwortliche Loris De Filippi. Baufälligkeit, Enge und Dunkelheit der Lagerstrukturen führten bei den Flüchtlingen zu gesundheitlichen Problemen. Die medizinische Versorgung der Insassen sei katastrophal, deshalb verbreiteten sich auch schwere Krankheiten wie etwa Tuberkulose. Auch Kinder und Schwangere würden bis zu sieben Wochen in engen, überfüllten und nicht nach Männern, Frauen und Minderjährigen getrennten Räumen festgehalten.

Nach Gesprächen mit Immigranten und Regierungsmitgliedern versprach Barrot baldige Hilfe seitens der EU: "Jetzt da ich mit Immigranten und Maltesern gesprochen habe, verstehe ich die Frustrationen auf beiden Seiten. Von hier muss eine europäische Politik zur Unterstützung von Ländern wie Malta und Italien starten, die sich an der Front des Flüchtlingsnotstands befinden", sagte Barrot.

Auf Malta gibt es mehrere geschlossene, von Militär und Polizei kontrollierte Auffanglager, in denen die Bootsflüchtlinge bis zu 18 Monate festgehalten werden dürfen. Auf der Insel strandeten 2008 über 2700 Flüchtlinge.

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