Ärzte Zeitung online, 19.03.2009

KaDeWe-Einbruch: Zwillings-DNA taugt als Beweismittel nicht

BERLIN (dpa). In der amerikanischen Fernsehserie "C.S.I.: Miami" waren es Zwillingsschwestern. Von einer stammte ein Blutstropfen, der am Tatort eines Mordes gefunden wurde. Von welchem Zwilling das Blut kam, konnte aber wegen der identischen DNA nicht festgestellt werden. In Berlin stehen Polizei und Justiz vor dem gleichen Problem.

Sie mussten am Mittwoch die beiden Zwillingsbrüder entlassen, die im Januar ins Luxuskaufhaus KaDeWe eingebrochen sein sollen. Die Ermittler sind zwar sicher, dass sie die richtigen Täter haben. Eine DNA-Spur vom Tatort stammt von einem der Zwillinge. Nur von welchem, können die Fahnder derzeit nicht beweisen.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin ist es eine frustrierende Situation. "Nach der derzeitigen Beweislage war mindestens einer der beiden an der Tat beteiligt", schreiben die Staatsanwälte in einer Erklärung. Die Polizei fand nach dem Einbruch in das Luxuskaufhaus Ende Januar Spuren - möglicherweise ein Haar - von einem der Einbrecher. Die Polizei ermittelte über die DNA schnell die Zwillinge als mögliche Täter. Die beiden Männer gehören zu einer libanesischen Großfamilie in Berlin, leben aber in der Nähe von Bremen. Dort schlugen die Fahnder am 11. Februar zu.

Obwohl nach dem Millionencoup viele unkten, die Täter seien wohl für immer in Osteuropa verschwunden, konnte die Polizei nicht ohne Stolz diesen ersten großen Fahndungserfolg verkünden. Jetzt kam der herbe Rückschlag. "Die am Tatort gesicherte DNA-Spur kann keinem der beiden allein zugeordnet werden", räumte die Staatsanwaltschaft genau fünf Wochen nach der Festnahme ein. Beide Brüder verweigerten auch die Aussage - und konnten sich nach Auskunft ihres Verteidigers am Mittwoch auf den Rückweg nach Niedersachsen machen.

Das Problem ist nicht nur den Produzenten amerikanischer Fernsehserien bekannt. Zwillinge stellten in der Vergangenheit schon öfter Polizei oder Justiz vor Probleme. Zwar haben sie verschiedene Fingerabdrücke, aber ihr genetisches Erbmaterial ist laut Berliner Staatsanwaltschaft "so gut wie identisch und mit derzeitigen medizinischen Erkenntnissen nicht zu unterscheiden".

Bekannt sind Fälle, in denen ein Häftling zu Unrecht das Gefängnis verlassen konnte, weil er mit seinem Zwilling verwechselt wurde. Heikel kann es auch werden, wenn es darum geht, den Vater eines Kindes zu identifizieren. Im US-Bundesstaat Missouri landete vor einigen Jahren ein Fall von Zwillingsbrüdern vor den Gerichten, die beide in einer Nacht mit einer Frau geschlafen hatten. Keiner wollte der Vater des gezeugten Kindes sein. Der klassische Vaterschaftstest versagte. Ein Gerichtsmediziner konnte nur vorschlagen, die Zwillinge sollten sich die Unterhaltszahlungen teilen. Schließlich hätten beide in jener Nacht ihren Spaß gehabt.

Ein Kompromiss wie eine geteilte Gefängnisstrafe dürfte für die Berliner Justiz kaum infrage kommen. Die Hoffnung will sie trotzdem nicht aufgeben. Der Tatverdacht bestehe weiter, und die Ermittlungen würden keineswegs beendet, versicherte die Staatsanwaltschaft. Erfolgreich waren letztlich auch die Fahnder in "C.S.I.: Miami". Weil die DNA-Analyse nicht zum Erfolg führte, griffen sie zu den Mitteln klassischer Detektive. Sie stellten der Mörderin eine Falle, überlisteten sie und schlossen den Fall zügig ab.

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