Ärzte Zeitung online, 23.03.2009

Unerwiderte Liebe: Zwei Tote bei Schießerei in Zentrum für Autisten

Wien (dpa). Unerwiderte Liebe war vermutlich das Motiv für eine tödliche Schießerei in einem Wiener Therapiezentrum für Autisten. Dort hat am Freitagabend nach Angaben der Polizei ein 29 Jahre alter Autist eine an der gleichen Krankheit leidende Frau und sich selbst erschossen.

Die Bluttat geschah während der wöchentlichen Sitzung einer Selbsthilfegruppe in der Wiener Innenstadt. Nach Berichten von Augenzeugen hatte der Täter kurz nach 21 Uhr eine Sitzung der fünfköpfigen Gruppe verlassen. Eine halbe Stunde später kam er zurück, trug jedoch eine Gesichtsmaske sowie einen geladenen Karabiner bei sich. Mit der Waffe feuerte er mehrmals auf die 24-Jährige, die tödlich getroffen wurde. Während sich die übrigen Mitglieder der Gruppe in Sicherheit brachten, erschoss sich der Täter in einem Nebenraum.

"Es deutet alles darauf hin, dass es sich um eine Beziehungstat gehandelt hat", sagte eine Polizeisprecherin am Samstag der Nachrichtenagentur APA. Die Handlungsweise des Mannes sei sehr ungewöhnlich, weil Autisten Gewalt meistens nur gegen sich selbst anwendeten. Nach Angaben der Präsidentin der österreichischen Autisten-Hilfe, Ruth Renée, war erst vor kurzem eine Bezugsperson des Täters gestorben.

Autismus ist eine schwere Beziehungs- und Kommunikationsstörung, die als angeboren gilt. Allein in Österreich sind davon etwa 70 000 Menschen betroffen.

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