Ärzte Zeitung online, 27.03.2009

Britische Psychotherapeuten glauben noch an "Heilung" Homosexueller 

LONDON (dpa). Einige britische Psychotherapeuten glauben noch immer, Homosexualität "heilen" zu können. Jeder sechste Therapeut hat Schwulen und Lesben schon einmal angeboten, sie zur Heterosexualität zu bekehren oder ihre homosexuellen Gefühle zu verringern. In allen Fällen hatten die Patienten um Hilfe gebeten, weil sie mit dem sozialen Druck nicht klar kamen.

Das ergab eine Studie mit mehr als 1400 Psychotherapeuten. Die Forscher der Studie hatten erwartet, dass sich solche Heilungsangebote auf die Vergangenheit beschränkten. Sie fanden aber heraus, dass sich die 400 bis 500 registrierten Fälle gleichmäßig über die vergangenen Jahrzehnte verteilten. Die Studie wurde bereits 2008 veröffentlicht (BMC Psychiatry 8, 2008, 70) und jetzt von der Zeitung "The Independent" aufgegriffen.

Die Fälle seien nur die "Spitze des Eisbergs", sagte der Leiter der Studie, Michael King, Professor am University College London, der Zeitung am Donnerstag. King, der die Studie geleitet hat, bezeichnete das Ausmaß als besorgniserregend und erschütternd. "Der Himmel weiß, was genau sie da tun. Wir haben erst gar nicht versucht, sie zu fragen, weil es keinen Beweis gibt, dass irgendetwas funktioniert."

Vor allem junge Menschen würden sich an einen Psychiater wenden, nachdem sie im Internet von Schikanen gegen Homosexuelle, erhöhter Depression und "heilenden" Therapien gelesen haben, sagte King. "Wenn der Therapeut nicht weise genug ist, zu sagen, dass dies ein Teil von ihnen ist und daran nichts krankhaft ist, mag er verleitet davon sein, ihn zu ändern. Stattdessen sollte der Therapeut sagen, dass es sehr bedauerlich ist, dass sie tyrannisiert werden, und dass er helfen kann, mit der Lage zurecht zu kommen und sie zu meistern."

Die komplette Studie "A systematic review of mental disorder, suicide, and deliberate self harm in lesbian, gay and bisexual people"

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