Ärzte Zeitung online, 31.03.2009

Erstes hochdeutsches Lexikon für Gebärdensprache erstellt

Berlin (eb). Zum ersten Mal gibt es jetzt ein Wörterbuch für Gebärdensprache, das verschiedene Varianten der deutschen Gebärdensprache zu einer hochdeutschen Gebärdensprache zusammenführt.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte digitale Wörterbuch stellt mit seinen 18 000 Videos einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Standardisierung und Dokumentation der Deutschen Gebärdensprache dar. Damit wird es möglich, alle hörgeschädigten Kinder in Zukunft neben der Lautsprache auch in Deutscher Gebärdensprache zu unterrichten.

"Dieses Wörterbuch ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit in Bildung und Ausbildung für möglichst alle Menschen. Das Lernen wird jetzt für viele Hörgeschädigte leichter", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Andreas Storm bei der Vorstellung des neuen Wörterbuches am Dienstag in Berlin.

Mit dem Einsatz des Lexikons werden die Ergebnisse verschiedener Studien umgesetzt, die die neuronale Sprachverarbeitung bei Schülerinnen und Schülern untersucht haben, die bilingual - also in deutscher Gebärdensprache und in Lautsprache - unterrichtet werden. So weisen die Ergebnisse einer Studie der Uni Hamburg darauf hin, dass Kinder, die früh Gebärdensprache lernen, die gleiche neuronale Stimulierung erfahren, wie sie auch durch Lautsprache zu beobachten ist.

Es ist also anzunehmen, dass durch die Gebärdensprache ähnliche Lernprozesse im Hirn aktiviert werden wie durch die Lautsprache. Die Lautsprache wiederum ist nicht für alle hörgeschädigten Menschen eine Option. Deshalb sollte die Gebärdensprache breiten Eingang in Kindergarten und Schule, in die betriebliche Ausbildung und die Ausbildung an beruflichen Schulen finden, um die Voraussetzungen zur Teilhabe Gehörloser am lebenslangen Lernen entscheidend zu verbessern.

"Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache" ist als CD-ROM im Verlag Karin Kestner erschienen

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