Ärzte Zeitung online, 01.04.2009

In den Tropen kommen mehr Mädchen zur Welt

LONDON/ATHENS (dpa). In den Tropen kommen deutlich mehr Mädchen zur Welt als in anderen Breitengraden. Das zeigt eine Analyse der Geburtendaten aus 202 Ländern über ein Jahrzehnt. In Afrika waren darin 49,3 Prozent der Neugeborenen weiblich, in Asien und Europa nur 48,6 Prozent,

Im weltweiten Maßstab zeige sich, dass der Anteil der männlichen Babys mit der geografischen Breite zunehme, berichtet die US-Forscherin Dr. Kristen Navara (Biology Letters der britischen Royal Society, online vorab, DOI: 10.1098/rsbl.2009.0069). Dies liege vermutlich an Faktoren wie der Tageslänge und der Temperatur, schreibt die Wissenschaftlerin von der Universität von Georgia in Athens. Die beobachtete Geburtenverteilung lasse sich unabhängig vom Lebensstil und dem sozioökonomischen Status beobachten.

Im weltweiten Durchschnitt ist das Geschlechterverhältnis bemerkenswert stabil. Auf 100 neugeborene Mädchen kommen 105 bis 106 Jungen. Navara analysierte die Geburtendaten von 202 Ländern aus den Jahren 1997 bis 2006. Der Anteil der Jungen lag darin insgesamt bei rund 51,3 Prozent. In tropischen Regionen waren jedoch nur 51,1 Prozent der Neugeborenen männlich, wohingegen deren Anteil in gemäßigten und subarktischen Breiten auf 51,3 Prozent stieg.

Auch ohne die afrikanischen und asiatischen Länder seien die Geburtenraten klar mit dem Breitengrad verbunden, erläutert Navara. Dadurch sei auszuschließen, dass vorgeburtliche Auswahl, wie sie aus vielen Ländern bekannt ist, die Verteilung beeinflusst habe. Zudem sei auch innerhalb Afrikas eine klare Verknüpfung mit dem Breitengrad zu beobachten.

Navara vermutet, dass die unterschiedliche Geschlechterverteilung bei Neugeborenen ein Überbleibsel natürlicher Auswahl ist. Schließlich bringe jedes Geschlecht seine eigenen Vor- und Nachteile für bestimmte Klimazonen mit, die sich beispielsweise in der Ressourcenverteilung und der Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum unterscheiden. Welche Mechanismen der beobachteten Korrelation zugrunde liegen, ob mit dem Breitengrad etwa die Samenqualität oder die Fehlgeburtenrate variiert, bedürfe weiterer Untersuchungen, betont Navara.

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