Ärzte Zeitung online, 02.04.2009

Die Notaufnahme schließt: Aus für "Emergency Room"

NEW YORK (dpa). Schusswunden, Messerstiche, Drogenopfer - das war seit 15 Jahren der Alltag für das Team vom "Emergency Room - Die Notaufnahme". Realismus gehörte zur Faszination der populären US-Fernsehserie "ER". Auf dramatische und manchmal humorvolle Weise wurden Patienten- und Ärzteschicksale gezeigt. An diesem Donnerstag läuft die letzte Episode beim US-amerikanischen Sender NBC. In Deutschland strahlt ProSieben derzeit die 15. Staffel aus.

Die Ärzte eines fiktiven Krankenhauses in Chicago haben alles gesehen. Die Zuschauer auch - nämlich wie die "Helden im OP" intubierten, Katheter legten oder das Skalpell ansetzten.

Die Erfolgsgeschichte von "ER" begann mit mehreren Misserfolgen. Denn das Original-Drehbuch des späteren Bestseller-Autors Michael Crichton, geschrieben 1974 für die noch unbekannte Produktionsfirma von Steven Spielberg, lehnten die meisten US-Sender dankend ab. "Es gab zu viele Charaktere und medizinische Dialoge. Die meisten fanden, dass man dem schlichtweg nicht folgen konnte", sagte der ausführende Produzent John Wells der "New York Times". Erst als Spielberg und Crichton mit dem Actionthriller "Jurassic Park" 1993 einen Riesenhit gelandet hatten, griff NBC widerstrebend zu.

Aufnahmen mit der Steadycam, schnelle Schnitte, medizinische Fachausdrücke und manchmal unzusammenhängende Dialog-Fetzen präsentierten eine neue, ungewohnte Erzählweise im Fernsehen. "Der Stil und die Geschwindigkeit waren ziemlich innovativ. Die Geschichten wurden fragmentarisch erzählt, nur der Anfang oder das Ende eines Bogens. Man war ja nur vorübergehend hier", erklärte der Schauspieler Noah Wyle (Dr. John Carter) der Zeitung "USA Today" das Konzept.

Viele Fälle basierten auf tatsächlichen Ereignissen, Crichton ließ sich von echten Notfallaufnahme-Ärzten und Krankenschwestern beraten. Die Kulissen waren perfekt nachgebaut. Bei "ER" sollte es medizinisch so korrekt wie möglich zugehen - selbst wenn das manchmal die Schmerzgrenze überschritt.

Mit dieser Akribie wurde "ER" fast über Nacht zu einem Hit. Die Stars der Serie - neben Wyle und dem späteren Oscar-Gewinner George Clooney, der für fünf Staffeln als Dr. Doug Ross auftrat, Eriq La Salle (Dr. Peter Benton) und Julia Margulies (Carol Hathaway) - landeten auf Magazin-Covern und in Talkshows. "ER" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 22 Mal für den begehrten US-Fernsehpreis Emmy und auch für den Golden Globe. In den Spitzenzeiten schalteten sich pro Episode 30 Millionen Zuschauer ein - 1995 für eine Episode sogar 48 Millionen. Zum Vergleich: Selbst bei den heute beliebtesten Fernsehsendungen in den USA liegen die Einschaltquoten höchstens bei 20 Millionen.

Trotz sinkender Zuschauerzahlen (zuletzt 9,3 Millionen) ist "ER" beim Fernsehsender NBC immer noch auf Platz drei. Stars wie Angela Bassett und Forest Whitaker lassen sich immer noch gerne für größere und kleinere Gastrollen anheuern.

Über das Ende der Show wurde allerdings auch seit Jahren gemunkelt. US-Medien kritisierten, dass die Handlungsstränge mittlerweile viel zu sehr an eine Seifenoper erinnerten und sich nicht mehr so sehr auf die Patienten konzentrierten. Also beschloss NBC das Aus für "ER". Für die letzte Staffel traten viele der früheren Stars noch einmal vor die Kamera. Auch George Clooney zog als Dr. Ross ein letztes Mal seinen blauen Kittel an.

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