Ärzte Zeitung online, 02.04.2009

Antibiotika aus Tabak

POTSDAM (eb). Mit einer neuen Strategie ist es Wissenschaftlern gelungen, von Viren geborgte Gene für die Bildung antibiotisch wirksamer Eiweiße in Tabakpflanzen zu nutzen.

Während Tabak bisher mit den Attributen gesundheitsschädigend und krebserregend verbunden war, gibt es seit einiger Zeit Versuche, Tabakpflanzen zur Produktion pharmazeutisch wirksamer Substanzen, zum Beispiel Antibiotika, zu nutzen. Tabak ist für eine solche Produktion besonders geeignet, da er in kurzer Zeit viel Blattmaterial bildet und keine Nahrungsmittelpflanze darstellt.

In gentechnisch veränderten Chloroplasten von Tabakpflanzen können große Mengen antibiotisch wirksamer Proteine hergestellt werden. Der Ursprung dieser Proteine liegt in Bakteriophagen. Das sind Viren, die Bakterien befallen, deren Erbgut umprogrammieren, um sich zu vermehren, und am Ende das Bakterium auflösen, um freigesetzt zu werden. Die vom Bakteriophagen kodierten Eiweiße, die den Tod des Bakteriums herbeiführen, heißen Lysine.

Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam und dem Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universität Rostock ist es nun gelungen, Lysine in Chloroplasten von Tabakpflanzen herzustellen.

Die Wirksamkeit der so produzierten Lysine konnte durch Tests an Bakterienkulturen von Streptococcus pneumoniae gezeigt werden (PNAS, Early Edition, März 2009). Bereits geringe Mengen der Lysine erwiesen sich als hochwirksam. Der Anteil des Lysins am Gesamtprotein in den Tabakpflanzen betrug bis zu 30 Prozent.

Abstract der Originalveröffentlichung "Plastid production of protein antibiotics against pneumonia via a new strategy for high level expression of antimicrobial proteins"

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