Ärzte Zeitung online, 02.04.2009

Auswärtiges Amt nimmt sich psychisch kranker Finnin an

BERLIN/HELSINKI (dpa). Tagsüber fährt sie einfach nur mit der Straßenbahn durch Berlin. Abends nimmt sie einen Bus zum Flughafen Tegel. Sie wäscht sich in den öffentlichen Toiletten und rollt Lockenwickler in ihr Haar. Dann legt sie sich schlafen - auf einer Flughafenbank, den Kopf auf ihrer Handtasche.

Sie ist ganz allein. Obdachlos. Mittellos. Mehr als das, was sie seit vier Monaten tagein und tagaus am Leib trägt, besitzt die blonde Frau aus Finnland nicht. Jede Hilfe und bezahlte Heimreisetickets hat sie abgelehnt.

Vier lange Monate beschäftigt nun schon der bizarre Fall der in Berlin gestrandeten Finnin die Gemüter in ihrem Heimatland und in Deutschland. Nun scheint das Ende der Irrfahrt der 40-Jährigen durch Berlin näher denn je. Das Auswärtige Amt hat sich am Mittwoch offiziell des Falles angenommen.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass das Amt fortan zwischen den finnischen und den Berliner Behörden vermitteln werde und Unstimmigkeiten um die psychisch kranke Frau klären wolle.

Im Dezember 2008 war die Frau spurlos aus ihrem Heimatland verschwunden. Kurz darauf tauchte sie am Flughafen Tegel auf, später auch auf dem Flughafen Schönefeld. Zeitweise lebte sie auch in einer Berliner Psychiatrie. Behörden in beiden Ländern waren sich uneinig darüber, ob und wo die Frau ärztlich versorgt werden müsse.

Die Finnen wollten sie nach Hause holen, die Deutschen hingegen respektierten den Wunsch der Frau, in Berlin bleiben zu wollen. Über Wochen wurden unzählige Gutachten erstellt, und Gerichte in beiden Ländern bestellten amtliche Vertreter für die 40-Jährige. Und während das Schicksal der Frau im Behördendschungel hängen blieb, wurde sie nach ihrer Entlassung aus der Klinik zu einer Art unfreiwilligem Medienstar.

Deutsche Zeitungen betitelten sie als "Die hilflose Frau von Tegel" und "Die Frau vom Terminal". Fotografen folgten ihr durch die Stadt. "Sie ist hier zur Sehenswürdigkeit geworden", sagte der einzige Vertraute der Frau in Berlin, Landsmann Kai Henttonen, Pfarrer der finnischen Gemeinde in Berlin.

Die Geschichte erinnert an den Kinofilm "Terminal" mit Tom Hanks, in dem er einen Mann spielt, der heimatlos jahrelang auf einem internationalen Flughafen lebte. Der psychische Zustand der geistig verwirrten Frau habe sich durch das Interesse der Öffentlichkeit verschlimmert. "Man muss sie endlich aufhalten", forderte Henttonen immer wieder.

Das offizielle Gesuch des finnischen Außenministeriums sei nun eine Reaktion auf die großen Sorgen, die sich Richter und Verwandte der Frau im Heimatland machen, sagte der Sprecher der finnischen Botschaft, Leo Riski. "Wir wissen nicht immer so genau, an welche Behörden wir uns wenden müssen." Daher wurde das Auswärtige Amt in Berlin nun über den Fall informiert und gebeten, zu vermitteln. Die Frau soll Riski zufolge schnellstmöglich in ihre Heimat und dort in ärztliche Fürsorge zurückgebracht werden.

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