Ärzte Zeitung online, 02.04.2009

Diskussionen um den Anbau von Genmais

BERLIN (men/dpa). Umweltverbände warnen angesichts neuer Studien vor zunehmenden Risiken durch den Genmais MON 810. Der US-Hersteller Monsanto sieht dagegen keine negativen Folgen für die Umwelt durch den Anbau der Pflanze.

MON 810 ist seit 1998 die einzige genveränderte Pflanze, die in der Europäischen Union kommerziell angebaut werden darf. Ein künstliches Gen produziert ein Gift gegen den Schädling Maiszünsler, einen Schmetterling. In Deutschland ist der Genmais-Anbau für rund 3600 Hektar beantragt.

"Das Gift wirkt an Organismen, für die es nicht gedacht ist", sagte der Tiermediziner Christoph Then am Donnerstag in Berlin. Die Pflanze MON 810 sei nicht ausreichend untersucht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Ökologische Lebensmittelwirtschaft und das Online-Netzwerk Campact forderten Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) auf, den Anbau der Genmaissorte umgehend zu verbieten.

In einem Umweltfolgen-Bericht des Unternehmens an Aigner heißt es: "In keinem Fall konnte irgendeine Abweichung als ein Effekt des Anbaus von MON 810 erklärt werden." Monsanto legte dafür Berichte sogenannter Beobachtungs-Netzwerke von Wild, Vögeln, Tagfaltern, Bienen und dem Boden zugrunde. Darin sei kein Hinweis auf nachteilige Effekte im Zusammenhang mit dem Anbau von MON 810 in Deutschland vorhanden. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte, die Beobachtungen gingen nicht speziell auf Genmais zurück und seien teilweise nicht aktuell.

Der BUND und andere Verbände sehen Risiken. Sie berufen sich auf Studien zu auffälligen Reaktionen des Immunsystems bei Mäusen, höherer Sterblichkeit von Marienkäferlarven und Orientierungsproblemen von Bienen. Ein Verbot von MON 810 sei nicht nur möglich, sondern überfällig, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Aigner will den Genmais-Anbau verbieten, wenn aus dem Monsanto-Bericht hervorgeht, dass Auflagen nicht eingehalten wurden.

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