Ärzte Zeitung online, 03.04.2009

Koma-Patienten aus Türkei weiter in kritischem Zustand

LÜBECK (dpa). Die beiden Schüler, die in der Türkei wegen gepanschten Alkohols ins Koma gefallen sind, befinden sich nach wie vor in einem kritischen Zustand. Sie waren am Donnerstagabend mit einem Ambulanzflugzeug in Lübeck eingetroffen und wurden auf eine Intensivstation der Lübecker Uniklinik gebracht.

Am Freitag wollten die Ärzte mit ersten Untersuchungen beginnen, sagte der Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Christian Zöllner. Die beiden Schüler waren vor einer Woche ins Koma gefallen, nachdem sie auf einer Klassenfahrt im türkischen Ferienort Kemer vermutlich gepanschten Schnaps getrunken hatten. Ein 21-Jähriger Mitschüler ist nach der Feier an einer Methanolvergiftung gestorben (wie berichtet). Er soll am Freitag in Lübeck beigesetzt werden.

"Wir sind alle noch immer fassungslos über das, was da passiert ist", sagte der stellvertretende Schulleiter des Lübecker Bildungszentrums Mortzfeld, Rüdiger Knoll. Die Schüler hatten an einer Klassenfahrt der Realschulklasse des privaten Bildungszentrums in die Türkei teilgenommen und dabei trotz des Verbots ihres Lehrers heimlich beschafften Alkohol getrunken.

Unklar ist noch, ob sie den Schnaps auf einem Markt in der Nähe des Hotels oder im Hotel selbst gekauft haben. Sowohl die türkische als auch die deutsche Staatsanwaltschaft haben inzwischen in dem Fall Ermittlungen aufgenommen.

Die Obduktion des 21-Jährigen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hatte ergeben, dass er mindestens zwei Promille des hochgiftigen Methanols im Blut hatte. Nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft sind bereits 0,2 Promille tödlich. Methanol kann in selbst gebranntem Schnaps vorkommen, wenn die Substanz nicht verdampft. Die Verbindung ist extrem giftig, weil sie in der Leber zu dem Zellgift Formaldehyd und dann zu Ameisensäure oxidiert.

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