Ärzte Zeitung online, 06.04.2009

Merkel spricht sich gegen umstrittenes afghanisches Eherecht aus

BERLIN (dpa). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die afghanische Regierung nachdrücklich davor gewarnt, das umstrittene neue Eherecht für Schiiten in Kraft zu setzen. "Dieses Gesetz widerspricht der Gleichberechtigung von Mann und Frau grundlegend und entspricht nicht unseren Wertvorstellungen."

"Die Zusicherung von Präsident (Hamid) Karsai, das Gesetz an das Parlament zurückzugeben, war dringend notwendig", sagte Merkel der "Bild am Sonntag".

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, ging einen Schritt weiter, sagte der Zeitung: "Wir müssen unser Engagement in Afghanistan überdenken, wenn Karsai solche archaischen Gesetze verabschiedet. Erklärtes Ziel unserer Mission dort ist auch die Sicherung von Menschenrechten. Deshalb ist es ein Skandal, wenn wir mit unserem Geld Entwicklungen in die falsche Richtung unterstützen."

Karsai kündigte Überprüfung eines umstrittenen neuen Ehegesetzes an. Nach den im Westen vorliegenden Übersetzungen des für Schiiten geltenden Gesetzes wäre eine Ehefrau verpflichtet, "den sexuellen Bedürfnissen ihres Mannes jederzeit nachzukommen". Wenn der Mann nicht auf Reisen sei, habe er mindestens jede vierte Nacht das Recht auf Geschlechtsverkehr mit seiner Frau. Zudem müssten Frauen sich bis auf bestimmte Ausnahmen die Erlaubnis des Ehemannes einholen, wenn sie das Haus verlassen wollten.

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