Ärzte Zeitung online, 06.04.2009

Serie von Gewaltverbrechen in den USA

WASHINGTON (dpa). Schießereien "wie im Kriegsgebiet", Eruptionen der Gewalt ohne erkennbares Motiv und Täter, die bei ihrer Bluttat kugelsichere Westen tragen - eine Serie von Gewaltverbrechen erschüttert die USA.

Bei drei Schießereien in drei verschiedenen Bundesstaaten kamen seit Freitagabend insgesamt 23 Menschen ums Leben, darunter fünf Kinder und drei Polizisten. Besonders schockierend für die Polizei: In zwei Fällen haben die Killer ihre Tat kaltblütig vorbereitet und geplant. Die Zunahme der Gewalttaten in den USA wird immer bedrohlicher. Bereits im März haben in den USA bei Amokläufen 25 Menschen ihr Leben gelassen.

Besonderes Entsetzen löste ein dreifacher Polizistenmord in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania aus. Als die Beamten am Samstag zum Tatort eilten, schien es sich zunächst um einen Routineeinsatz zu handeln, um einen Familienstreit zu schlichten. Doch die beiden Beamten trafen auf einen 22-Jährigen mit einem Sturmgewehr. "Als die Tür geöffnet wurde, wurde sofort auf sie geschossen", berichtete Polizeichef Nathan Harper. Als ein dritter Polizist zu Hilfe kommen wollte, streckte ihn der Täter ebenfalls nieder. "Wir haben noch niemals drei Polizisten bei einem Einsatz verloren", klagte Harper.

Danach verbarrikadierte sich der schwer bewaffnete Mann in seinem Haus in einem mittelständischen Viertel. Polizisten, die sich ihm näherten, empfing er mit einem Kugelhagel. Über vier Stunden dauerte die Schießerei, berichtete die Polizei, über hundert Schüsse habe allein der Mann abgefeuert. "Es hörte sich an, als ob wir in einem Kriegsgebiet wären", berichtete ein verängstigter Anwohner. Wie es heißt, habe der Täter kürzlich seinen Job verloren und habe eine "besondere Aktion" angekündigt. Der Mann trug eine kugelsichere Weste. Als er sich schließlich ergab, hatte er lediglich Schusswunden in den Beinen. Sein Waffenlager war beachtlich: ein Sturmgewehr, ein weiteres Gewehr, eine Pistole sowie jede Menge Munition. Das Motiv liegt noch völlig im Dunklen.

In Graham im Bundesstaat Washington im äußersten Westen der USA machte die Polizei in einer Wohnwagensiedlung einen grauenhaften Fund: Sie entdeckte die Leichen von fünf toten Kindern im Alter zwischen sieben und 16 Jahren. Wenig später fanden sie an einem anderen Ort die Leiche des Vaters der Kinder. Die Polizei geht nach Medienberichten davon aus, dass der 35-Jährige seine Kinder nach einem Familienstreit erschoss und sich danach selbst richtete, auch hier ist das genaue Motiv unklar. "Das war keine Tragödie, das war gemeiner Mord. Fünf unschuldige Kinder haben ihr Leben verloren", sagte Bezirkssheriff Paul Pastor. Polizeisprecher Ed Troyer sagte, etwas Schlimmeres habe er noch nie gesehen. "Man kann nur hoffen, dass die Kinder alle schliefen, als es passierte."

Das Massaker mit den meisten Opfern ereignete sich am Freitag ausgerechnet in einem Sozialzentrum in Binghamton im US-Bundesstaat New York. Ein 41-jähriger Einwanderer aus Vietnam betrat das Gebäude und eröffnete sofort das Feuer. Nach Erkenntnissen der Polizei erschoss er innerhalb von Minuten 13 Menschen, zumeist Ausländer. "Er muss ein Feigling gewesen sein", sagte Polizeichef Joseph Zikuski. Er trug eine kugelsichere Weste "und als er die Sirenen der Polizeiautos hörte, erschoss er sich selbst." Auch hier sind konkrete Motive zunächst kaum zu erkennen. Medien berichteten, der Täter habe erst kürzlich seinen Job verloren, außerdem wäre er gehänselt worden, weil er nur schlecht Englisch sprechen konnte.

Energisch bestritt die Polizei allerdings, dass es sich um einen Terrorakt handelte. "Es gibt absolut keine Hinweise, dass dabei terroristische Aktivitäten beteiligt gewesen waren", sagte Zikuski. Zuvor hatte der Führer der Taliban in Pakistan, Baitullah Mehsud, behauptet, seine Organisation stehe hinter dem Blutbad. "Ich übernehme die Verantwortung. Das waren meine Männer", sagte er dortigen Medien und der britischen BBC am Telefon. Die Aktion sei eine Antwort auf Luftangriffe der US-Streitkräfte im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet.

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