Ärzte Zeitung online, 08.04.2009

Schimpansen tauschen Fleisch gegen Sex

LEIPZIG/SAN FRANCISCO (dpa). Fleisch gegen Sex: Schimpansinnen paaren sich öfter mit männlichen Artgenossen, die regelmäßig ihre Beute mit ihnen teilen. Männchen, die nie von ihrer Beute abgeben, gehen leer aus.

Die Primatenforscher Cristina M. Gomes und Professor Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beobachteten Schimpansen im Tai-Nationalpark an der Elfenbeinküste. "Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass frei lebende Schimpansen Fleisch gegen Sex tauschen, auch über einen längeren Zeitraum", so Gomes.

Schimpansen-Männer, die ihr Fleisch mit Schimpansinnen teilten, verdoppelten ihren Paarungserfolg. "Weibchen, denen es schwer fällt, selbst zu jagen, können ihre Kalorienaufnahme erhöhen, ohne sich dem hohen Energieverbrauch und Verletzungsrisiko einer Jagd aussetzen zu müssen", schreibt Gomes, die 3000 Stunden lang eine ganze Schimpansengruppe beobachtete und dabei 90 erfolgreiche Beute-gegen- Sex-"Tauschgeschäfte" registrierte (PLoS ONE 4, 2009, e5116; DOI: 10.1371/journal.pone.0005116). "Es gibt mehr und mehr Hinweise darauf, dass Schimpansen auch Vergangenheit und Zukunft in ihr Denken einschließen und dass dies ihr Verhalten in der Gegenwart bestimmt", sagte Boesch.

Die Ergebnisse der Studie werden den Forschern zufolge einen Einfluss auf das haben, was wir heute über die Beziehungen zwischen Männern und Frauen wissen. Es gelte nun herauszufinden, ob es auch in noch existierenden menschlichen Jäger- und Sammlergesellschaften einen Zusammenhang zwischen Ernährungsvorteil und Fortpflanzungserfolg gibt.

Schottische Forscher hatten im westafrikanischen Guinea bereits beobachtet, dass wild lebende Schimpansen-Männchen begehrte Früchte von Feldern oder aus Gärten stibitzten, um ihrer Herzensdame mit diesem Geschenk zu imponieren. Daraufhin pflanzten sie sich zeitweise sogar erfolgreicher fort als das Alpha-Männchen der beobachteten Gruppe, wie Forscher um Kimberley Hockings von der Universität Stirling ebenfalls in "PLoS ONE" berichtet hatten. Wagemutiges Verhalten sei offenbar ein von den Weibchen hoch geschätzter Charakterzug und der Besitz begehrter Früchte wie zum Beispiel Papayas verstärke die Attraktivität des jeweiligen Männchens noch zusätzlich.

www.eva.mpg.de

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