Ärzte Zeitung online, 08.04.2009

260 Erdbebentote in Italien - Suche geht bis Ostern weiter

ROM (dpa). Mit jedem Tag sinken die Chancen, noch Überlebende unter den Trümmern zu finden. Doch die Menschen im geschundenen Erdbebengebiet der Abruzzen haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Bis Ostern geht die verzweifelte Suche weiter. "Dann werden die zerstörten und beschädigten Häuser gesichert, und der Wiederaufbau wird beginnen", kündigte Italiens Innenminister Roberto Maroni am Mittwoch an.

Zweieinhalb Tage nach dem schweren Beben rund um L'Aquila waren mehr als 260 Tote geborgen. Und die 8500 Helfer befürchten, dass noch Dutzende Menschen unter den Trümmern begraben liegen. Die Katholische Kirche bereitet einen Staatstrauerakt für Karfreitag in der Abruzzen-Hauptstadt vor. Papst Benedikt XVI. will den Opfern "sobald möglich" Trost spenden - aber erst nach Ostern.

"Wie ein Camping-Wochenende"

Italiens für umstrittene Äußerungen bekannter Regierungschef Silvio Berlusconi hat den in 2000 Zelten untergebrachten Erdbebengeschädigten Empfehlungen der eigenen Art gemacht. Natürlich sei das "absolut provisorisch", sagte Berlusconi den Fernsehsendern n-tv und RTL beim Besuch im Bebengebiet: "Aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende." Es fehle an nichts, es gebe Medikamente, warmes Essen und Decken für nachts.

"Geht ans Meer"

Bereits am Dienstag hatte Berlusconi in L'Aquila den Menschen, deren Häuser zerstört wurden oder nicht mehr bewohnbar sind, eine "Auszeit" an der Adria-Küste auf Staatskosten empfohlen, während der Staat eine Liste der beschädigten Häuser anlege. 3000 Obdachlose sind bereits an der nahen Küste in Hotels untergebracht. Die linke Zeitung "L'Unità" fasste die Äußerungen des Milliardärs und Medien-Zars knapp so zusammen: "Geht ans Meer, ich zahle euch alles."

Das Wunder Eleonora

Am Dienstagabend, etwa 42 Stunden nach dem Beben, hatten Helfer die 20-jährige Studentin Eleonora aus Rimini unter den Trümmern in L'Aquila gefunden. Sie hatte trotz kalter Nächte und nur mit einem Pyjama bekleidet in einem Hohlraum eines eingestürzten Hauses überlebt und verzweifelt um Hilfe gerufen. "Gebt mir etwas Wasser", war das erste, was die junge Frau ihren Rettern sagte, und unter Tränen: "Wo sind Mama und Papa?". Die junge Frau wurde sofort mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht.

Angst vor Nachbeben

Am Dienstagabend ließ ein Nachbeben der Stärke 5,3 in L'Aquila und mehreren Orten der Umgebung weitere Häuser und Mauern einstürzen. Der Erdstoß war bis nach Rom und im südlichen Kampanien zu spüren. Seit dem Beben vom Montag, dem folgenschwersten in Italien seit 1980, gab es Hunderte von Nachbeben. Sie lösen immer wieder Panik in der Bevölkerung aus.

Berlusconi im Erdbebengebiet

Regierungschef Berlusconi kam am Mittwoch am dritten Tag hintereinander nach L'Aquila, für den Donnerstag sagte sich Staatspräsident Giorgio Napolitano an. Papst Benedikt XVI. kündigte am Mittwoch seinen Besuch für später an, wobei der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi voreilige Berichte dementieren musste, Benedikt XVI. werde bereits zum Trauerakt am Karfreitag die Messe zelebrieren. Er wird den unter nächtlicher Kälte, Wassermangel und Stromausfall leidenden Menschen in den Abruzzen erst später Trost zusprechen.

"Schrottreifes Land"

In Italiens Blätterwald rumort weiter die Kritik, dass Tausende von Gebäuden, darunter auffällig viele neuerer Bauart, durch das nicht extrem starke Beben (5,8 bis 6,2) wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen konnten. Nicht einmal der Staat habe die Bauauflagen eingehalten, mäkelte die Turiner "La Stampa". Die in Trümmern liegende Präfektur von L'Aquila sei somit nahezu ein Symbol für Italien. In L'Aquila musste das ganze Gefängnis mit seinen etwa 140 Insassen evakuiert werden. Viele Millionen Italiener leben in erdbebengefährdeten Häusern, während das Land einen hervorragenden Zivilschutz hat - und eines der anerkannten Erdbebeninstitute.

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