Ärzte Zeitung online, 09.04.2009

Die Krankenakten-Affäre bei Lidl

NECKARSULM (dpa). Wer war wann und warum krank? Beim Lebensmittel-Discounter Lidl notierten leitende Mitarbeiter bis mindestens Ende vergangenen Jahres genauestens Krankheitsstände beim Personal.

Im November stieß der Ex-Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob auf solche Formulare. "Dann habe ich sofort gesagt, 'das ist datenschutzrechtlich unzulässig‘", sagt Jacob. Nachdem die Videoüberwachung von Mitarbeitern im März 2008 ans Licht gekommen war, hatte Lidl Jacob als Berater für Datenschutz engagiert.

Auf den Formularen wurden von Vorgesetzten genau die Zeiten einer Erkrankung, Gründe sowie der Kontakt zu den "Verkaufsleitern" bis hin zu "Maßnahmen" gegenüber den Betroffenen aufgelistet. Dazu gehörte etwa, dass Betroffene mit Armbeschwerden keine "schweren Sachen" mehr tragen sollten, um nicht wieder auszufallen. Nach Jacobs Angaben wies die Firmenleitung Anfang Dezember die entsprechenden Stellen an, die Praxis sofort zu beenden und die Unterlagen zu vernichten. Die Formulare gab es laut Jacob wohl nicht in allen der 34 Lidl-Regionalgesellschaften. Wegen der Videoüberwachung von Mitarbeitern hatte Lidl im September 1,46 Millionen Euro bezahlen müssen.

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