Ärzte Zeitung online, 09.04.2009

Italiens Regierung schiebt Erdbebenhilfe an - Mindestens 280 Tote

ROM (dpa). Die italienische Regierung von Silvio Berlusconi will der verwüsteten Erdbebenregion in den Abruzzen mit einem Bündel von Maßnahmen helfen. Am Gründonnerstag beschloss das Kabinett in Rom finanzielle Erleichterungen für die Geschädigten der Naturkatastrophe, stellte aber ein erstes Eildekret bis nächste Woche zurück.

Es geht vor allem um 110 Millionen Euro für den Wiederaufbau zerstörter Schulen sowie um etwa 70 Millionen an zusätzlichen Mitteln für den Zivilschutz. Nach Ostern wollen sich die Fachminister erstmals auch über einen Plan beugen, den Bau tausender Häuser in und um die weitgehend verwüstete Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila mit 200 Millionen Euro zu unterstützen.

Insgesamt sei die Regierung auf der Suche nach einer Milliarde Euro für den Wiederaufbau, schrieb die römische "La Repubblica", das Geld könnte über einen Steuer- oder Solidaritätszuschlag hereinkommen.

Auch mehr als drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien steigt die Zahl der Todesopfer weiter. In der Nacht zum Donnerstag wurden in den Abruzzen mehrere Menschen tot in den Trümmern ihrer Häuser gefunden. Die Zahl der Opfer stieg auf etwa 280. Staatspräsident Giorgio Napolitano besuchte am Donnerstag die Region, Papst Benedikt XVI. will nach Ostern dorthin reisen. Die Katastrophe überschattet auch die Osterfeiern in Rom.

Stärkere Nachbeben haben am Donnerstagmorgen die Bewohner in den Abruzzen erneut in Angst und Schrecken versetzt. Ein Beben kurz nach Mitternacht wurde mit einer Stärke von 5,2 gemessen. Das verheerende Beben, das die Region in den Abruzzen rund um die Stadt L'Aquila am Montagmorgen erschütterte, hatte eine Stärke von 5,8 erreicht. Seit Montag wurden bereits mehrere hundert Nachbeben registriert.

Als Messe und Staatstrauerakt ist am Karfreitag ein nationales Gedenken an die Erdbebenopfer geplant. Für den Vatikan wird die "rechte Hand" des Papstes, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, zusammen mit dem Erzbischof von L'Aquila, Giuseppe Molinari, die Messe zelebrieren - als eine Ausnahme, denn die katholische Kirche kennt keine Eucharistie-Feier am Karfreitag. Der Trauerakt wird in einer Kaserne der Finanzpolizei in der verwüsteten Stadt vorbereitet.

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