Ärzte Zeitung online, 10.04.2009

Sieben Jahre Haft für Duisburger "Brückenwerfer"

DUISBURG (dpa). Sieben Monate nach zwei lebensgefährlichen Holzlattenwürfen auf die A3 bei Duisburg ist ein 21-jähriger Mann am Donnerstag zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Duisburger Schwurgericht wertete die Taten als Mordversuch und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Der Angeklagte hatte die Zaunlatten am 8. September 2008 auf die Autobahn geworfen. Dabei wurden mehrere Fahrzeuge getroffen. Menschen wurden nicht verletzt. Richter Wolfgang Ramacher sprach von einer "außergewöhnlich gefährlichen" Tat. Wörtlich hieß es im Urteil: "Wir haben keinen Zweifel, dass dem Angeklagten bewusst war, dass hier Schlimmstes hätte passieren können."

Es war bereits nach 22 Uhr, als der junge Duisburger die Zaunlatten von zwei Fußgängerbrücken aus auf die Autobahn warf. Ein Autofahrer, der die A3 in Richtung Süden fuhr, konnte den über zwei Meter langen und kiloschweren Wurfgeschossen nicht mehr ausweichen. Der 34-Jährige fuhr mit Tempo 120 ungebremst über eine der Latten. Im selben Moment wurde sein Wagen erst nach links und dann nach rechts geschleudert. Zwei Reifen waren sofort platt. Ein Lastwagenfahrer erinnerte sich ebenfalls mit Schrecken an die Tat. "Zum Glück fiel das Holz nicht in die Windschutzscheibe, sonst hätte ich wohl keine Überlebenschance gehabt", erklärte er dem Gericht.

Der Angeklagte hatte sich nach der Tat selbst gestellt. Im Prozess erklärte er, dass er damals wütend und betrunken gewesen sei. Er habe sich mit seinem Mitbewohner gestritten und sei dann in Richtung Autobahn gelaufen. Er habe jedoch niemanden töten oder verletzen wollen. "Ich wollte einfach nur das Holz splittern sehen", hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Einlassung.

Laut Urteil hat der Angeklagte damals gleich eine Vielzahl von Menschen Lebensgefahr gebracht. Die Situation sei unberechenbar und die Gefahr nicht mehr beherrschbar gewesen. "Es lag nicht mehr in seiner Hand, was passiert", sagte der Richter. Wegen der Alkoholsucht des Angeklagten wird der 21-Jährige Duisburger einen Teil der verhängten Haftstrafe in einer geschlossenen Entziehungsanstalt verbringen müssen.

Mit dem Urteil blieben die Richter unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zehn Jahre Haft beantragt hatte. Die Verteidigung hatte dagegen lediglich eine dreijährige Haftstrafe wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gefordert.

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