Ärzte Zeitung online, 10.04.2009

Wieder Toter in Türkei nach Alkoholgenuss

ISTANBUL/LÜBECK (dpa). In der Türkei ist erneut ein Mann nach dem Genuss von methanolhaltigem Alkohol gestorben. Die türkische Zeitung "Star" berichtete am Freitag, der Türke habe in der Stadt Bursa Raki mit dem giftigen Alkohol getrunken. Erst am Vortag war der Tod eines 37-jährigen Türken in Izmir bekannt geworden.

Fünf Freunde des Mannes lagen am Freitag noch im Koma. Unterdessen forderte die türkische Parlamentsabgeordnete Ayse Agirbas die türkische Regierung zu verstärkten Kontrollen gegen illegalen Alkohol auf.

Die aus Lübeck stammenden Schüler im Alter von 21, 19 und 17 Jahren hatten den gepanschten Billigalkohol auf einer Klassenreise in einem Hotel im Badeort Kemer getrunken. Inzwischen gab es wegen des Falls drei Festnahmen in der Türkei.

In Lübeck hat die Staatsanwaltschaft unterdessen mit der Vernehmung der Mitschüler der drei toten Jugendlichen begonnen. Dadurch erhoffe man sich Aufschluss über den tatsächlichen Hergang der Ereignisse, sagte der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft, Klaus-Dieter Schultz. Erst danach werde entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren gegen den Lehrer eingeleitet werde, der die Gruppe begleitet hatte. Im Internet zeigt "bild.de" nach eigenen Angaben "das letzte Video" mit den Opfern vor der "Schnaps-Tragödie". Darauf sind mehrere Schüler in einem Hotelzimmer zu sehen, die entspannt auf Betten und Sesseln sitzen und sich unterhalten.

In einer Trauerfeier nahmen am Donnerstag Angehörige und Freunde von dem jüngsten Opfer Abschied. Zu dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Stockelsdorf bei Lübeck waren mehr als hundert Menschen erschienen, darunter auch viele Mitschüler und Lehrer des 17-Jährigen.

Ein überlebender Mitschüler hat in einem Interview schwere Vorwürfe gegen den begleitenden Lehrer erhoben. Der 19-Jährige behauptete, der Lehrer habe sich kaum um die Gruppe gekümmert. Ein 21 Jahre alter Schüler, der noch im Hotel an einer Methanolvergiftung gestorben war, habe mehr als 20 Stunden unbemerkt in seinem Hotelzimmer gelegen, bevor der Lehrer nach ihm gesehen hätte, sagte der 19-Jährige. Die Staatsanwaltschaft wollte diese Äußerungen nicht bewerten. "Wir müssen abwarten, bis wir die Zeugenaussagen aller Beteiligten haben, erst dann können wir bewerten, ob dem Lehrer ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorzuwerfen ist", sagte Schultz.

Die für die Ermittlungen zuständige türkische Staatsanwaltschaft in Kemer hat die Obduktionsergebnisse aus Deutschland angefordert. Die Leichenöffnung des 21-Jährigen hat als Todesursache eine Methanolvergiftung ergeben. Die endgültigen Obduktionsergebnisse für den 17-Jährigen und den 19-Jährigen stehen noch aus. "Es laufen noch toxikologische Untersuchungen, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden", sagte Schultz.

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