Ärzte Zeitung online, 15.04.2009

Prozess gegen Attentäter in Indien - Anwältin abgesetzt

NEU DELHI (dpa). Zum Auftakt des Prozesses gegen den einzigen überlebenden Angreifer der Terroranschläge von Mumbai (früher: Bombay) ist am Mittwoch die Pflichtverteidigerin des Angeklagten abgesetzt worden. Grund sei ein Interessenkonflikt, meldeten indische Nachrichtensender.

Anwältin Anjali Waghmare habe vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Terroristen Ajmal Amir Kasab bereits Zeugen der Angriffe Ende vergangenen November in Mumbai vertreten. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, Waghmares Stellvertreter K. P. Pawar werde nun die Verteidigung Kasabs übernehmen. Das Gericht wollte am Nachmittag wieder zusammentreten.

Radikale Hindus hatten gewaltsam dagegen protestiert, dass die mit einem Polizisten verheiratete Anwältin den Angeklagten vertritt, und die Hinrichtung des Pakistaners ohne Prozess gefordert. Die Anwältin hatte trotz der Proteste und Drohungen an dem Mandat festgehalten.

Kasab, der angeblich der pakistanischen Terrororganisation Lashkar-e-Taiba angehört, wird des Mordes und der Kriegsführung gegen die Nation angeklagt. Kasab war Teil einer zehnköpfigen muslimischen Extremistengruppe, die Ende November vergangenen Jahres über drei Tage hinweg Geiseln genommen und Gebäude in Mumbai besetzt gehalten hatte. Außer Kasab sollten zwei Inder vor dem Sondergericht erscheinen, denen vorgeworfen wird, die Terroristen unterstützt zu haben. Die Polizei hat ein 11 000 Seiten umfassendes Anklageprotokoll gegen insgesamt 38 Verdächtige erstellt. Innere Sicherheit ist eines der dominierenden Wahlkampfthemen vor der indischen Parlamentswahl, die an diesem Donnerstag beginnt.

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