Ärzte Zeitung online, 22.04.2009

Prozess um Sterbehilfe an Wachkoma-Patientin

FULDA (dpa). Um aktive Sterbehilfe geht es seit Dienstag vor dem Landgericht Fulda. Eine 54 Jahre alte Frau aus Kassel und ein 59 Jahre alter Fachanwalt für Medizinrecht aus München sind wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Die Frau wollte ihre 76-jährige Mutter, die bereits seit fünf Jahren in einem Bad Hersfelder Pflegeheim im Wachkoma lag, in Würde sterben lassen, wie sie zum Prozessauftakt sagte. Deshalb habe sie kurz vor Weihnachten 2007 den Schlauch für die Nährlösung gekappt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich einig, den Rechtsstreit als Präzedenzfall bis vor den Bundesgerichtshof bringen zu wollen.

Die Tochter hatte den Schilderungen zufolge im Einvernehmen mit der Heimleitung die künstliche Ernährung ihrer Mutter zunächst innerhalb von drei Tagen reduziert. Eine Patientenverfügung der Mutter konnten sie aber nicht vorweisen. Die Tochter berichtete vor Gericht allerdings von einem Gespräch, in dem die Mutter eindeutig geäußert habe, dass sie lebensverlängernde Maßnahmen ablehne. Die 52-Jährige habe sich danach juristisch bei dem Fachanwalt abzusichern versucht. Dieser hatte laut der Angeklagten die Sterbehilfe für unbedenklich erklärt - trotz fehlender Patientenverfügung.

Vor Gericht sagte die Angeklagte, die Heimleitung habe ihr zugesichert, nichts gegen die Sterbehilfe zu unternehmen. Dennoch hatten Pflegekräfte die Patientin sofort ins Klinikum Bad Hersfeld gebracht, nachdem sie den gekappten Schlauch entdeckt hatten. Im Klinikum wurde die Frau weiter künstlich ernährt. Rund zwei Wochen später starb sie. Einen Zusammenhang mit der Tat sieht die Staatsanwaltschaft aber nicht. Das Schwurgericht hat vier Verhandlungstage eingeplant. Ein Urteil wird am 30. April erwartet.

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