Ärzte Zeitung online, 24.04.2009

Unsere Verwandte, die Kuh

WASHINGTON (dpa). Ein internationales Forscherteam hat das gesamte Erbgut der Kuh entziffert. Von der Analyse des Genoms erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Evolution der Säugetiere ebenso wie Fortschritte in der Fleisch- und Milchproduktion.

Unsere Verwandte, die Kuh

Kühe sind offenbar näher mit dem Menschen als mit Mäusen und Ratten verwandt.

Foto: Andi Taranczuk©www.fotolia.de

Die Kuh habe mindestens 22 000 Gene. Ein erster Vergleich zeige, dass Kühe näher mit dem Menschen als mit Mäusen und Ratten verwandt sind, schreibt das Team um Richard Gibbs vom Baylor College of Medicine in Texas im US-Fachjournal "Science" (online vorab).

Nach sechsjähriger Arbeit legen die Forscher damit das erste Gesamtgenom eines Wiederkäuers vor. Wiederkäuer zeichnen sich durch ihre vier Mägen aus, mit denen sie etwa das für viele Lebewesen unverdauliche Gras verwerten können. Von den mindestens 22 000 Genen, die im Kuhgenom die Herstellung verschiedener Proteine regeln, sind 14 345 von anderen Säugetierarten bekannt. Diese könnten für die medizinische Forschung besonders interessant sein, erklären die Forscher. Die Kuh hat 29 Erbgutträger (Chromosomen) und die Geschlechtschromosomen. Die Forscher hatten nur das weibliche X-Chromosom, nicht das männliche Y-Chromosom analysiert.

Das Kuhgenom scheint sich seit der Abspaltung von den anderen Säugern deutlich umgebildet zu haben, berichten die Forscher. Es verfüge über auffallend viele Regionen mit Wiederholungen und Dopplungen, die auf vielfältige Anpassungen an die besondere Lebensform der Wiederkäuer hindeuten. Gibbs und seine Kollegen hoffen, dass die Besonderheiten im Genom der Kühe auch dem Verständnis von Erkrankungen beim Menschen und deren möglicher Behandlung zuträglich sind.

Homepage der Fachzeitschrift "Science"

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