Ärzte Zeitung online, 27.04.2009

Tiergesundheitsorganisation gegen Bezeichnung "Schweinegrippe"

PARIS/RIEMS (dpa). Die Internationale Tiergesundheitsorganisation (OIE) hat sich gegen die Bezeichnung "Schweinegrippe" für das in Mexiko und den USA aufgetretene Virus gewandt. "In der Vergangenheit wurden viele menschliche Grippeepidemien tierischen Ursprungs nach ihrem geografischen Ursprung benannt, zum Beispiel die Spanische Grippe oder die Asiatische Grippe", erklärte die OIE am Montag in Paris. "Es wäre daher logisch, von einer Nordamerikanischen Grippe zu sprechen."

"Das Virus wurde bisher nicht in Tieren isoliert. Es ist daher nicht gerechtfertigt, diese Krankheit Schweinegrippe zu nennen." Das Virus beinhalte "in seiner Charakteristik Komponenten von Schweine-, Vögel- und Menschenviren", erklärte die OIE. Die Anfälligkeit von Tieren gegen den Erreger müsse dringend erforscht werden, um zu ermitteln, ob Impfungen von Tieren sinnvoll seien.

Derzeit wären Einschränkungen von Schweineimporten nur aus Gebieten gerechtfertigt, in denen das Virus in Schweinen auftrete und menschliche Infektionsfälle nachgewiesen seien.

Auch der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas C. Mettenleiter, sprach sich für einen anderen Namen aus. Der Erreger H1N1 weise zwar genetische Merkmale auf, die bei Schweineviren auftreten, sagte Mettenleiter der dpa. Diese Form des Erregers, wie sie aktuell vorkomme, sei beim Schwein jedoch nie nachgewiesen worden. "Die Bezeichnung ist irreführend. Es handelt sich nicht um den Erreger einer Tierseuche, sondern um ein humanes Influenzavirus." Die Grippe werde nicht von Tier zu Mensch, sondern von Mensch zu Mensch übertragen.

Der genaue Entstehungsweg der Viren sei noch unbekannt. "Wir nehmen aufgrund der genetischen Sequenzen an, dass der Erreger seinen Ursprung im Schwein hatte, wann er das Schwein verlassen und an den Menschen angepasst hat, wissen wir nicht." Im Tierbereich sind laut Mettenleiter keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen in Europa erforderlich. Die Influenzaviren vom Subtyp H1N1 beim Schwein kämen weltweit vor.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »