Ärzte Zeitung online, 28.04.2009

Aigner genehmigt Anbau von Genkartoffel - Grüne üben Kritik

BERLIN/HAMBURG (dpa). Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will trotz heftiger öffentlicher Diskussionen den Anbau der Genkartoffel Amflora genehmigen. Die von ihr angekündigte Prüfung sei damit abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. Sie bestätigte einen Bericht des Berliner "Tagesspiegels". Die Grünen haben die geplante Genehmigung von Amflora scharf kritisiert.

Die Prüfungen seien zum Schluss gekommen, dass sich "keine negativen Einflüsse auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt" ergeben hätten, sagte die Sprecherinder der dpa am Montag.

Bei dem Antrag des Chemiekonzerns BASF geht es um Freilandversuche. Das Erbgut der Sorte Amflora ist so verändert, dass aus der Kartoffel Stärke zur Herstellung von Papier und Klebstoffen gewonnen werden kann. Die Kontroverse um die BASF-Kartoffel war vor einer Woche ausgelöst worden, nachdem die CSU-Führung einem Zeitungsbericht zufolge von Aigner eine Ablehnung verlangt hatte. Davor hatte Aigner die genmanipulierte Maissorte MON 810 abgelehnt.

Nach Angaben ihres Herstellers BASF bietet die Industriekartoffel Amflora viele Anwendungsmöglichkeiten. Mit Hilfe von Amflora werde Garn reißfester und Papier glänzender, Sprühbeton hafte besser an der Wand und Klebstoff bleibe länger flüssig, erläutert der Chemiekonzern.

Die Gen-Kartoffel enthält eine veränderte Stärke. Normalerweise besteht dieser Speicherstoff in der Knolle aus Amylopektin und Amylose. BASF knipste das Gen für die Amylose aus, sodass die Stärke nur Amylopektin enthält. Damit sei die Kartoffel für den "industriellen Einsatz optimal abgestimmt", sagt BASF.

Umweltschützer fürchten die Ausbreitung der Gene auf benachbarte Äcker. Das in Amflora steckende Marker-Gen für Antibiotikaresistenz könne zudem zur Verbreitung solcher Widerstandsfähigkeiten gegenüber äußeren Einflüssen führen. Marker-Gene werden bei der Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen eingebaut, um die gewünschten Exemplare von anderen zu unterscheiden.

Kritik an der geplanten Genehmigung kommt vonseiten der Grünen. Nicht nur beim Mais, auch bei der Kartoffel müsse ein klares Nein gelten, sagte Parteichefin Claudia Roth am Montag in Berlin. "Wir wollen keine genmanipulierten Lebensmittel."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Ein Erklärbuch für Kinder

Dagmar Eiken-Lüchau hat eine Tochter mit Autismus-Störung. Um anderen Kindern das Thema zu erklären, hat die Mutter ein Buch geschrieben. mehr »