Ärzte Zeitung, 04.05.2009

Die vielseitigste "Powerschnecke" der Welt

Über 15 000 Läufer starteten beim Hamburg-Marathon Ende April. Nach vier Stunden und 35 Minuten kam Krebsforscher Hans Drexler ans Ziel - es war sein 300. Lauf.

Von Gunnar von der Geest

Zwischen Labor und Laufschuhen: Krebsforscher und Marathonläufer Hans Drexler.

Foto: Gunnar von der Geest

Viele Menschen sammeln Bilder, Briefmarken oder Bierdeckel. Aber keiner hat wohl so unterschiedliche Sammel-Leidenschaften wie Professor Hans Drexler: Von montags bis freitags zählt er Krebszellen, an den Wochenenden Kilometer. Der international bekannte Mediziner ist Bereichsleiter der "Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen" (DSMZ) in Braunschweig. "Wir haben im Institut mehr als 26 000 verschiedene Zellen, Bakterien und Viren vorrätig", erklärt der 55-Jährige.

Nach Medizinstudium und Promotion an der Uni Ulm fing Drexler als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim "Loyola University Medical Center" in Chicago im US-Bundesstaat Illinois an. Anschließend folgte eine vierjährige Station im Londoner "Royal Free Hospital". 1989 wechselte der gebürtige Schwabe zur DSMZ. Dort startete er mit nicht viel mehr als einem Schreibtisch, einem Telefon und der Vision, eine der international größten Sammlungen von Blutkrebszellen aufzubauen. Diese Vision ist heute Wirklichkeit. "Im ersten Schritt sammeln und erforschen wir die Zellen. Danach stellen wir sie den Krebsforschern aus aller Welt zur Verfügung, damit diese entsprechende Therapien entwickeln können", erklärt Drexler. Seit 2005 lehrt er auch als Professor für Zell- und Molekularbiologie an der TU Braunschweig. Rund 400 wissenschaftliche Veröffentlichungen gehen auf sein Konto.

Genauso fleißig sammelt er Kilometer. In Hamburg kam er nach vier Stunden, 35 Minuten und 45 Sekunden als 8885. ins Ziel. Dabei ist Drexler ein sportlicher Späteinsteiger: Den ersten Marathon lief er 2001, die persönliche Bestzeit steht bei drei Stunden und 43 Minuten. "Längere Distanzen liegen mir jedoch besser", sagt er. "Ich bin nicht schnell, aber ich komme stets an." Sein größtes "Abenteuer" war 2007 die Teilnahme am Deutschlandlauf: 1200 Kilometer in 17 Tagen von Kap Arkona auf Rügen bis nach Lörrach. "Bei diesem Wettbewerb muss man seine Kräfte gut einteilen. Aber man darf auch nicht bummeln. Sonst ist die Regenerationszeit bis zur nächsten Etappe zu kurz", erklärt der Mediziner, dessen Spitzname in der Laufszene "Powerschnecke" lautet.

Unter diesem Pseudonym verfasst Hans Drexler, der dem 100 Marathon Club Deutschland angehört, auch Kolumnen im Internet. Ausdauernd berichtet er witzig-ironisch über seine Erlebnisse im In- und Ausland. "Das Leben ist schon ernst genug", sagt der Krebsforscher über seine "Schneckenpost". Markenzeichen ist die eigenwillige Orthografie: Aus "ck" wird immer "gg" - quasi als Ausgleich zur formalen Wissenschaftssprache. Gewöhnliche Sprachen hat "Schneggi" wohl schon genug gesammelt: Neben fließend Englisch beherrscht Drexler Französisch, Spanisch und Italienisch.

Im Internet unter: www.100mc.de

100 Marathon Club Deutschland

Der 100 Marathon Club Deutschland (MCD) gehört als einer der 91 000 Vereine zum Deutschen Olympischen Sportbund. Wer als Mitglied aufgenommen werden möchte, hat ordentlich was zu tun: Rechte im Verein bekommen nur diejenigen, die mindestens 100 Marathons erfolgreich beendet haben. Derzeit führt der 100 MCD, der vor zehn Jahren gegründet worden ist, 169 Männer und 15 Frauen in seiner Datei. Vier Extremsportler haben bereits die Marke von 1000 Marathons überschritten. Weltrekordler ist der 73-jähige Horst Preisler aus Hamburg mit 1621 Läufen. (vdg)

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