Ärzte Zeitung online, 14.05.2009

Doping-Bericht: Deutsche Radprofis haben systematisch gedopt

FREIBURG (eb). Die externe Doping-Kommission, die vom Universitätsklinikum Freiburg berufen wurde, hat ihren Untersuchungsbericht vorgelegt. Danach wurde im Team Telekom/Team T-Mobile von 1995 bis 2006 durch die beiden Ärzte Dr. Lothar Heinrich und Professor Andreas Schmid systematisch gedopt. Der Bericht ist im Internet frei zugänglich.

Doping-Bericht: Deutsche Radprofis haben systematisch gedopt

Foto: dpa - Bildfunk

Auch das fand die Kommission: Ärzte erhielten zusätzliche Vergütungen, und es wurden Daten manipuliert durch Anlage "fiktiver" Patienten. Solche Namen der angeblich 2005 im Universitätsklinikum behandelten Patienten sind zum Beispiel "Maier, Ulrich, geboren am 02.12.1937" und "Mayer, Alexander, geboren am 02.07.1943".

Die Tour de France 2005 begann am 2. Juli 2005. Insbesondere durch Zeugenaussagen ist belegt, dass Radrennfahrer der Teams Telekom und T-Mobile auch noch in den Jahren 2000 bis 2006 von beiden Ärzten EPO, Kortisonpräparate und Wachstumshormon und im Jahr 2006 Transfusionen mit Eigenblut zu Dopingzwecken erhalten haben.

Auch aus einer Langzeitanalyse von im Zeitraum 1995 bis einschließlich 2006 gemessenen Laborwerten von mehreren tausend Blutproben, die auf Bitte der Untersuchungskommission vom Universitätsklinikum mit großem Aufwand durchgeführt wurde, zieht sie den Rückschluss auf Doping mit EPO-Präparaten oder Eigenblut bei einer Reihe von Telekom-/T-Mobile-Radrennfahrern.

Als Gedopte werden die Fahrer Sinkewitz, Kessler und Klöden genannt

Der Abschlussbericht kommt zu dem Schluss, dass neben dem geständigen Fahrer Patrik Sinkewitz während der Tour de France 2006 zumindest zwei weitere Radfahrer mithilfe der beiden Ärzte Eigenblutdoping betrieben haben: Matthias Kessler und Andreas Klöden.

Bei einem Radrennfahrer musste eine Bluttransfusion durch Schmid zweimal abgebrochen werden, weil das Blut in zwei Blutbeuteln geklumpt hatte. Die Entlassung dieses Fahrers aus ärztlicher Obhut ohne jegliche weitere Überwachung ist nach Ansicht der Kommission ein grober Verstoß des Arztes gegen seine ärztlichen Pflichten und entspreche in keiner Weise den nach dem Transfusionsgesetz erforderlichen Maßnahmen bei derartigen Transfusionszwischenfällen.

Erste Vorwürfe gegen die Ärzte gab es Ende April 2007

Erste Dopingvorwürfen gegen die damals an der Uni Freiburg beschäftigten Schmid und Heinrich wurden Ende April 2007 bekannt. Am 23. Mai 2007 hatten die beschuldigten Ärzte zugegeben, sich am Doping aktiv beteiligt zu haben. Daraufhin trennte sich die Universität mit sofortiger Wirkung von den beiden Ärzten.

Ein weiterer Arzt, Dr. Georg Huber, räumte am 29. Mai 2007 bei einer Befragung durch den Klinikumsvorstand ein, in der Zeit von 1980 bis 1990 einzelnen U23-Straßenradfahrern Testosteron verabreicht zu haben. Huber wurde daraufhin suspendiert.

Universität und Klinikum richteten eine externe Untersuchungskommission ein, die den Auftrag erhielt, alle Fakten im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen Freiburger Sportmediziner zu ermitteln. Gleichzeitig setzte der Klinikumsvorstand die Betreuung von allen Leistungssportlern zunächst aus und gab einzelne Bereiche erst nach einem Bescheid der Untersuchungs-Kommission wieder frei.

Die Kommission, der der Jurist Dr. Hans Joachim Schäfer, der Biochemiker Professor Wilhelm Schänzer und der Pharmakologe Professor Ulrich Schwabe angehören, konnte ermitteln, dass die Dopingpraktiken von Schmid und Heinrich in sachlichem und zeitlichem Umfang deutlich über das von ihnen eingeräumte Maß hinausgehen.

Der Abschlussbericht stellt klar, das die Apotheke des Universitätsklinikums zu keiner Zeit in die Beschaffung von Dopingmitteln durch die beiden Ärzte involviert war. Vielmehr konnte aus Sicht der Kommission eine Apotheke in Elzach als eine der Haupt-Lieferanten ermittelt werden.

Die Kommission schreibt in ihrem Bericht, dass die fehlende Kontrolle der Abläufe in der Abteilung unter Professor Josef Keul damals die Dopingaktivitäten von Schmid und Heinrich mit ermöglicht und begünstigt habe.

Den beteiligten Ärzten Heinrich und Schmid war fristlos gekündigt worden

Heinrich war fristlos gekündigt worden. Hiergegen hatte er eine Kündigungsschutzklage erhoben, die er Mitte Oktober 2008 zurückgenommen hat. Damit ist die fristlose Kündigung vom 30. Mai 2007 bestandskräftig.

Auch Schmid wurde im Mai 2007 fristlos gekündigt. Am 16. September 2008 hat das Arbeitsgericht Freiburg die Kündigungsschutzklage von Schmid gegen diese fristlose Kündigung abgewiesen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Vorfälle dem Ansehen des Universitätsklinikums erheblich geschadet hätten und Schmid keine Umstände zu seiner Entlastung vorgetragen habe. Schmid hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt.

Der Abschlussbericht ist auf der Homepage der Untersuchungskommission veröffentlicht: www.dopingkommission-freiburg.de

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