Ärzte Zeitung online, 20.05.2009

Psychotherapeuten für Verbot der RTL-Sendung "Erwachsen auf Probe"

HAMBURG (dpa). Gesetzliche Konsequenzen aus der geplanten RTL- Reihe "Erwachsen auf Probe" hat die Bundespsychotherapeutenkammer gefordert. Anlässlich einer Anhörung zum geplanten Kinderschutzgesetz am kommenden Montag sagte Kammerpräsident Rainer Richter am Mittwoch in einer Mitteilung: "Säuglinge sind keine Versuchskaninchen. Sie können zu TV-Experimenten nicht Nein sagen. Der Gesetzgeber sollte das für sie tun."

Im Kinderschutzgesetz sollten gesetzliche Regelungen geschaffen werden, "die Kinder bis zu drei Jahren vor Big-Brother-Experimenten schützen". Gleichlautend hatte sich zuvor die Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen geäußert. Die Anhörung findet am Montag im Familienausschuss des Bundestages statt.

Die Kammer reiht sich damit ein in eine Riege von Kritikern, die sich gegen die Ausstrahlung der bereits aufgezeichneten RTL-Reihe wenden. Am 3. Juni soll die siebenteilige Reihe anlaufen, in der unter anderem Eltern ihre Babys und Kleinkinder jugendlichen Paaren, die einmal die Elternrolle proben wollen, für bis zu vier Tage überlassen. Gegen die Sendung haben sich unter anderem die Kinderkommission des Bundestages, der Kinderschutzbund, der Deutsche Hebammenverband und Psychologenverbände ausgesprochen. Die zuständige Medienaufsicht will sich dagegen erst dann inhaltlich äußern, wenn die Sendung bereits gelaufen ist.

Aufnahmen mit Kleinstkindern sollten nach Ansicht der Psychotherapeutenkammer nur noch zulässig sein, wenn die Eltern am Drehort anwesend sind und die Kinder jederzeit Blickkontakt mit ihnen aufnehmen können. Außerdem sollten die Eltern "jederzeit unmittelbar und angemessen" auf die Signale des Kindes reagieren können. Auch sollte eine angemessene Höchstdauer von Aufnahmen festgelegt werden. "Wenn der Gesetzgeber die erforderlichen Änderungen in diesen Gesetzentwurf aufnimmt, kann der Schutz von Kleinstkindern in den Medien noch vor der Bundestagswahl verbessert werden", sagte Kammerpräsident Richter. "Wir können nicht abwarten, was sich TV-Sender noch an Experimenten mit Kinderseelen ausdenken, um ihr Publikum zu unterhalten."

Gegen die RTL-Sendung protestierte am Mittwoch auch der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland am Rande des Ärztetages in Mainz.

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