Ärzte Zeitung online, 20.05.2009

Leichen vertauscht: Haft für spanische Militärs

MADRID (dpa). Knapp sechs Jahre nach dem Tod von 62 spanischen Soldaten bei einem Flugzeugabsturz sind drei Offiziere wegen Pfuschs bei der Identifizierung der Leichen zu Haftstrafen verurteilt worden. General Vicente Navarro muss für drei Jahre ins Gefängnis, entschied der Nationale Gerichtshof am Dienstag in Madrid. Ein Major und ein Hauptmann erhielten jeweils eineinhalb Jahre Haft.

Die drei Militärärzte wurden schuldig gesprochen, nach dem Absturz in der Türkei 30 der Opfer nicht richtig identifiziert und den Angehörigen wissentlich falsche Leichen übergeben zu haben. Das Verteidigungsministerium muss die Hinterbliebenen entschädigen.

Das Flugzeugunglück hatte sich am 26. Mai 2003 an der türkischen Schwarzmeerküste ereignet. Die Soldaten kehrten an Bord einer in der Ukraine gecharterten Maschine vom Typ Yak-42 von einem Afghanistan-Einsatz in ihre Heimat zurück. Bei dem Absturz starben auch 13 Besatzungsmitglieder aus der Ukraine und Weißrussland. Spätere DNA-Analysen ergaben, dass fast die Hälfte der spanischen Opfer von General Navarro und seinem Team praktisch nach dem Zufallsprinzip an die Angehörigen übergeben wurde.

Das Gericht wertete dies als Urkundenfälschung. Die Toten mussten exhumiert, neu identifiziert und unter richtigem Namen wieder beigesetzt werden.

Die Hinterbliebenen halten den damaligen Verteidigungsminister Federico Trillo für den Hauptverantwortlichen. Sie forderten am Dienstag erneut, auch ihm müsse der Prozess gemacht werden. Ihrer Ansicht nach befahl der konservative Politiker den Militärs, die Identifizierungen im Schnellverfahren durchzuziehen, damit die Särge rechtzeitig zu dem Staatsbegräbnis in Madrid eintreffen konnten. General Navarro hatte die Vorwürfe in dem Prozess bestritten und die Gerichtsmediziner in der Türkei für den Pfusch verantwortlich gemacht. Diese widerlegten aber vor Gericht diese Behauptung.

Topics
Schlagworte
Panorama (30155)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »