Ärzte Zeitung online, 03.06.2009

Kulleraugen lösen Glücksgefühle aus

MÜNSTER(dpa). Niedliche Kindergesichter sprechen das Belohnungszentrum im weiblichen Gehirn an und lösen Glücksgefühle aus. Das zeige eine Testreihe Münsteraner Neurowissenschaftler mit Kollegen der Universität Pennsylvania (USA), wie die Westfälische Wilhelms-Universität Münster am Mittwoch mitteilte. Damit sei erstmalig eine Region im Gehirn identifiziert, die durch das Kindchenschema aktiviert wird.

Die Wissenschaftler um Melanie Glocker und Professor Norbert Sachser erforschten Reaktionen auf das Kindchenschema mit Kulleraugen, rundem Kopf und hoher Stirn. Sie manipulierten für die Studie Babyfotos. Dasselbe Baby wurde etwa mit größeren oder kleineren Augen ausgestattet oder mit einem besonders runden oder eher schmalen Kopf. Frauen, die keine Kinder hatten, sahen die Fotos an. Ihre Hirn-Aktivität wurde mit der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomografie gemessen.

Die Forscher fanden eine ansteigende Aktivität mit zunehmendem Kindchenschema-Gehalt im Belohnungszentrum (Nucleus accumbens). Daneben sprechen noch weitere Hirnregionen auf das Kindchenschema an, unter anderem Areale, die bei Gesichterverarbeitung und Aufmerksamkeit eine Rolle spielen (PNAS online first, Mai 2009). Die Forscher vermuten, dass bei Männern ähnliche Prozesse im Gehirn ablaufen.

"Die Ergebnisse bieten Einblick in die biologischen Grundlagen menschlichen Fürsorgeverhaltens. Sie geben eine neurophysiologische Erklärung für unseren Impuls, uns um alles zu kümmern, was einem Baby ähnelt", sagte Glocker. "Die Aktivierung des Belohnungssystems könnte den neurophysiologischen Mechanismus darstellen, über welchen das Kindchenschema Fürsorgeverhalten motiviert - unabhängig vom Verwandtschaftsgrad zwischen Kind und Betrachter."

Zum Abstract der Originalarbeit "Baby schema modulates the brain reward system in nulliparous women"

Lesen Sie dazu auch:
Wirksamkeit des Kindchenschemas anhand von Babyfotos belegt

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