Ärzte Zeitung, 09.06.2009

Träume junger Patienten in kräftigen Farben

Für ein paar Stunden der Krankheit entfliehen und in die Welt der Kunst eintauchen - das war für die jungen Patienten der Uniklinik Mannheim möglich. Ihre Bilder werden nun ausgestellt und für einen guten Zweck verkauft.

Von Ingeborg Bördlein

Zusammen mit der Künstlerin Gudrun Schön-Stoll malt die junge Patientin Franka.

Foto: Universitätsmedizin Mannheim

MANNHEIM. Ein nüchterner Besprechungsraum in der Universitätskinderklinik Mannheim wurde für einige Tage kurzerhand zum farbenfrohen Atelier umfunktioniert. Unter künstlerischer Anleitung konnten junge Patienten mit Farben und Formen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und der Krankheit für ein paar Stunden entfliehen. "Kleine Hände - große Ideen" hieß der Kunst-Workshop, den Studierende der Mannheimer Business School, einer internationalen universitären Einrichtung, zusammen mit drei Künstlern aus dem Rhein-Neckar-Kreis am Klinikum Mannheim veranstalteten.

Die jungen Patienten im Alter zwischen vier und 16 Jahren hatten nach anfänglicher Scheu sichtlich viel Spaß daran, in die Farbtöpfe zu greifen, um zusammen mit "echten Künstlern" ihr Bild zu gestalten. Rund 25 Patienten nahmen an fünf Tagen teil. Die Werke der jungen Klinikkünstler werden vom 11. bis 14. Juni zusammen mit Exponaten der drei Kunstschaffenden im Mannheimer Schloss ausgestellt und verkauft. Der Erlös fließt in einen Sozialfonds, mit dem bedürftige Familien junger Patienten in der Zeit während des Klinikaufenthaltes unterstützt werden sollen.

Die Studenten der internationalen Wirtschaftsuniversität und die drei Künstler Gudrun Schön-Stoll, Joachim Bopp und Krystof Marchewicz ware mit dabei, als die Idee für einen Kunstworkshop für Patienten den Ärzten der Chirurgischen Kinderklinik vorgestellt wurde. Dort stieß das außergewöhnliche Projekt auf offene Ohren. Klinikchef Professor Lukas Wessel war sehr beeindruckt von den ausdrucksstarken Werken seiner Patienten.

Für die Künstler war diese Aktion Neuland: Die Ladenburger Künstlerin Gudrun Schön-Stoll war begeistert davon, wie schnell die kranken Kinder ihre anfängliche Scheu überwunden haben und ein richtiges "Teamwork" entstand.

Die jungen Patienten malten Blumen und Pferde.

Onkologische Patientinnen, die wegen ihrer Chemotherapie nicht "ins Atelier" kommen konnten, suchte die Malerin mit der Erlaubnis der Ärzte in ihren Krankenzimmer auf. Judith hat Knochenkrebs und noch einige Zytostatikazyklen vor sich. Sie ist Pferdenärrin und malte ihr Pferd, das von einer großen Blume umgeben ist. "Da will ich wieder hin", sagt die 13-Jährige. Ihre Bettnachbarin hat die Chemo schon hinter sich. Die 16-Jährige versucht sich auf Anregung von Schön-Stoll an einem "Lichtbild": Es wird dabei mit den verschiedensten Acrylfarben und Lichteffekten gearbeitet. Stolz zeigt sie das Hoffnungsbild in ihrer Lieblingsfarbe türkis.

Die herzkranke Saskia (Name von der Redaktion geändert) malt ein großes Herz und die 16-jährige Julia (Name wurde verändert), die einen Suizidversuch hinter sich hat, schreibt mit großen rosa Lettern "Love" auf ihr Bild. Tim ist acht und sitzt konzentriert an einer kunterbunten Blumenwiese.

Am Ende entstand ein großes Gemeinschaftsbild der Malgruppe. Dabei tauchte jedes Kind einen Fuß in Farbe und beschritt eine lange Leinwand - den bildlichen Weg der Hoffnung. Nicht nur die Kinder, auch die Studenten der internationalen Universität hatten großen Spaß, mit den Farben zu improvisieren, sagte die Studentin Maike Kuhn aus Hamburg. Ihre Mitstudenten Lowell Tejada aus Hawai, Anshuman Dwivedi aus Indien und Cecilia Fernandez de Cordoba aus Ecuador stimmten ihr zu.

Die Werke sind in den Räumen des Mannheimer Schlosses vom 11. bis 14. Juni zu sehen. Dort können sie auch erworben werden.

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