Ärzte Zeitung online, 10.06.2009

Sicherer surfen im Netz: Neue Kampagne soll helfen

BERLIN(dpa). Peinliche Bilder, persönliche Informationen, Mobbing: Kinder und Jugendliche sollen beim Surfen im Internet besser vor Datenmissbrauch geschützt werden. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) startete am Dienstag die Aktion "Watch your web", mit der Jugendliche auf Gefahren beim Besuch sozialer Netzwerke aufmerksam gemacht werden.

"Das Internet ist der Schulhof des 21. Jahrhunderts", sagte Aigner in Berlin. "Man muss sich darüber bewusst sein, dass das Internet nichts vergisst."

Familienstaatssekretär Gerd Hoofe warnte vor der zunehmenden Gefahr erwachsener Internet-Surfer, die sexuellen Kontakt suchen. "Intime Informationen und vertrauliche Gedanken gehören nicht auf öffentliche Plattformen", sagte er.

Fast drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen, die im Internet unterwegs sind, haben Erfahrung mit sozialen Netzwerken. Fast die Hälfte der Jugendlichen besucht jeden Tag eine "Internet-Community". Jeder vierte habe erlebt, dass jemand gemobbt wurde, ergab eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest von 2008. Dabei geraten oft private Fotos und persönliche Ansichten ins Netz, die für alle zugänglich sind. "Wer im Internet jemandem ein Geheimnis anvertraut, kann es gleich ans Schwarze Brett der Schule hängen", sagte Aigner. Sie warnte: Wer sich später bewerbe, könne darauf von einem Arbeitgeber angesprochen werden.

Die Portale "SchuelerVZ" (mit StudiVZ), "Lokalisten" und "Wer- kennt-wen" unterstützen die Aktion. StudiVZ-Manager Malte Cherdron sagte, die Netzwerke lebten davon, dass sich Freunde und Bekannte der Nutzer sicher fühlten. "Facebook" nimmt nicht teil, unterstützt aber die Botschaft der Kampagne. "Der Schutz unserer Nutzer (..) ist für Facebook von größter Bedeutung."

Die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit (IJAB) warnt in der Kampagne in vier Kurzfilmen des Regisseurs Robert Thalheim davor, dass sich persönliche Daten wie ein Lauffeuer verbreiten können. Die Comicfigur "Webman" kämpft gegen Gefahren. Die Aktion zeigt auch, wie Jugendliche sich und ihre Daten schützen können. Jugendliche wissen nach Angaben der IJAB oft nicht, welche Risiken soziale Netzwerke bergen und wie sie den Zugang für andere sperren können.

Die Bundesregierung fördert eine bessere Medienkompetenz nach Angaben des Familienressorts mit 1,7 Millionen Euro. Die Aktion "Watch your web" wird von Verbraucher- und Familienministerium mit insgesamt 300 000 Euro unterstützt.

www.watchyourweb.de

Topics
Schlagworte
Panorama (30512)
Personen
Ilse Aigner (230)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »