Ärzte Zeitung online, 18.06.2009

Rockstar der Hirnforschung: Doku über Eric Kandel

BERLIN(dpa). Als jüdisches Kind wurde Eric Kandel aus Wien vertrieben, 70 Jahre später heißt die Stadt den Nobelpreisträger und "Rockstar der Hirnforschung", wie seine Studenten ihn nennen, willkommen. "Ich finde es wunderbar, wie sich der Kreis schließt", spricht Kandel in dem Dokumentarfilm "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" mit sanftem Lächeln in die Kamera.

"Einerseits ist es ironisch, andererseits aber befriedigend und heilsam." Nach einer Audienz beim österreichischen Bundespräsidenten fährt Kandel durch das nächtliche Wien und gesteht seine ungebrochene Liebe zu der Stadt. Die Dokumentarfilmerin Petra Seeger inszeniert das Porträt einer beeindruckenden Persönlichkeit mit ruhiger Hand und Gespür für den Moment.

Seine Forschungen haben Zusammenhänge zwischen molekularen Abläufen im Hirn und dem Kurz- und Langzeitgedächtnis belegt, erklärt Kandel den Stellenwert seiner jahrzehntelangen Forschungen. Seeger macht diese zwei Gedächtnis-Aspekte zum erzählerischen Kern ihres Films. Sie zeigt die wissenschaftlich belegbare Seite des Gedächtnisprozesses und zugleich die subjektiven Erinnerungen eines Holocaust-Überlebenden, der stürmisch und mit lautem Lachen das erlittene Trauma bewältigt. Das Klopfen der Nazis an die Wohnungstür seiner Eltern damals in Wien könne er noch immer hören, sagt Kandel, und wenig später macht er Scherze über sein Alter.

Im Jahr 2000 bekam er den Medizin-Nobelpreis. Aufnahmen zeigen ihn, wie er voller Stolz in seinem Labor neben Meeresschnecken steht, die ihm zu Experimenten dienen. Später nimmt er etwas schüchtern und zugleich schelmisch lächelnd die Gratulation des schwedischen Königs für den Nobelpreis entgegen nimmt.

Neben diesen amüsanten und zugleich spielerisch informativen Szenen aus dem Leben eines Wissenschaftlers erzählt der Film von der Reise des Ehepaars Kandel an die Orte des Schreckens - Eric entging dem Holocaust als Neunjähriger durch die Flucht nach Amerika, Ehefrau Denise überlebte versteckt in einem französischen Kloster. Mit Kindern und Enkelkindern reisen sie nun zurück an diese Orte. Während der Reise kommen Erinnerungen an die Nazi-Zeit hoch, er durchlebe wieder diese schweren Tage, aber diesmal habe er mehr Kraft, sagt Kandel. Durch den Film können viele Menschen Eric Kandel im Gedächtnis behalten.

"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" startet am 25. Juni in deutschen Kinos.

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