Ärzte Zeitung online, 01.07.2009

Affen lernen aus dem Fernsehen - auch Nutzloses

LONDON (dpa). "Bildungsfernsehen" führt bei Schimpansen zum Erfolg, aber auch zu starrer Routine. Die Affen lernen von Artgenossen, auch wenn sie diese nur auf dem Bildschirm sehen. Das Lernen vom Bildschirm führt aber oft dazu, dass die beobachtete Technik auch dann angewandt wird, wenn sie nicht zum Problem passt.

Dr. Andrew Whiten und Dr. Elisabeth Price von der St.-Andrews-Universität in Fife hatte einer Gruppe von Schimpansen Videoaufnahmen von einem Affen gezeigt, der zwei Kunststoffrohre zusammensteckt und mit diesem verlängerten Kombinationswerkzeug entfernte Weintrauben angelt. Nach einigen Versuchen übernahmen viele Tiere diese Methode und kamen so ebenfalls an die begehrten Trauben. Fernsehen macht klug - aber nicht flexibel, stellten die Forscher fest. Fanden die Tiere Futter in unterschiedlicher Entfernung vor ihrem Gehege, so neigten sie dazu, die Rohre auch dann zusammenzustecken, wenn sie die Belohnung bereits mit den Einzelteilen hätten angeln können.

Eine Parallelgruppe von Schimpansen, die sich die gleiche Methode durch Versuche selbst angeeignet hatte, verhielt sich ganz anders. Die Tiere kombinierten die Rohre nur dann, wenn ihre Belohnung außerhalb der Reichweite der Einzelteile lag. Soziales Lernen durch Beobachtung kann eine neue Methode bei Affen schnell ins Verhaltensrepertoire einführen, schließen die Forscher. Geht es aber um den einsichtigen, zielgerichteten Einsatz, so ist das eigene Experiment durch nichts zu ersetzen.

Proceedings of the Royal Society B online vorab; Fachartikelnummer DOI: 10.1098/rspb.2009.0640

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