Ärzte Zeitung online, 01.07.2009

Schöpfer von Klonschaf Dolly zum Ritter geschlagen

LONDON (dpa). Königin Elizabeth II. hat den Schöpfer des Klonschafs Dolly, Ian Wilmut, zum Ritter geschlagen. Der britische Genforscher wurde am Dienstag im Buckingham Palast für seine Verdienste in der Wissenschaft gewürdigt. Am 7. Juli wird Wilmut 65 Jahre.

Nach dem Ritterschlag betonte Wilmut, dass die Ehre seinem ganzen Forscherteam gelte. "Es ist wichtig zu betonen, dass Leute wie ich ein Team führen. Zu einem großen Teil geht diese Auszeichnung an dieses Team, und ich bin der Glückliche, der sie erhalten hat", sagte Wilmut.

Mitte der 90er Jahre hatte Wilmuts Forschergruppe am Roslin-Institut bei Edinburgh erstmals ein Säugetier aus einer ausgewachsenen Körperzelle geklont. Klonschaf Dolly kam 1996 zur Welt, wurde 1997 der Öffentlichkeit präsentiert und starb 2003.

"Es ist sehr wichtig, offizielle Anerkennung für seine Forschung zu erhalten", kommentierte Wilmut seinen Ritterschlag. Die Öffentlichkeit sehe, dass es sich um ein wichtiges Forschungsgebiet handele, von dem viele medizinische Errungenschaften erwartet werden könnten.

Mit seinem Partner Keith Campbell schuf Wilmut erstmals eine genetisch vollkommen identische Kopie eines Lebewesens - und trat damit eine breite gesellschaftliche Debatte los. Neben ethischen Fragen kritisierten Gegner die Risiken von Fehl- und Missbildungen. Wie andere Forscher hoffte auch Wilmut, mithilfe des Klonens Krankheiten wie Parkinson, Diabetes oder Leukämie besser behandeln zu können.

"Wir sollten nicht so ängstlich vor solchen Technologien sein", sagte Wilmut in einem Interview. "Wenn man damit die Vererbung genetischer krankheitserzeugender Defekte verhindern kann, finde ich es ethisch vertretbar. Man könnte sogar argumentieren, es wäre unmoralisch, es nicht zu tun."

Nach der Dolly-Methode entstand in den folgenden Jahren ein ganzer Zoo weiterer Klontiere: Rinder, Mäuse, Schweine, Ziegen, Kaninchen und mindestens eine Katze. Viele der geklonten Tiere starben jedoch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Viele Überlebende waren überdurchschnittlich anfällig für Krankheiten. Auch Dolly musste mit sechs Jahren wegen einer Lungeninfektion eingeschläfert werden - nach ihrem Tod wurde sie für ein Museum ausgestopft. Da Dollys Alter nur etwa 40 Menschenjahren entsprach, bekam die Diskussion um die Gefahr des Klonens weiter Nahrung.

Eigentlich wollte Wilmut als Junge Bauer werden. Seinen Hang zur Wissenschaft entdeckte er über Umwege. Schon als 14-Jähriger arbeitete er am Wochenende auf Bauernhöfen, weil er gerne in der Natur war. Er studierte Agrarwissenschaften, entschied sich aber nach einem Praktikum im Labor für eine Promotion in Biologie. Seit Mitte der 80er Jahre widmete er sich dem Klonen - also der künstlichen, genetisch identischen Reproduktion bereits existierender Lebewesen.

2005 sorgte Wilmut für Schlagzeilen, als er die Lizenz zum therapeutischen Klonen für Forschungszwecke erhielt - dabei wird das Erbmaterial von Menschen in eine entkernte Eizelle eingesetzt, um genetisch maßgeschneidertes Ersatzgewebe für die Therapie zu bekommen. Stets lehnte es der dreifache Vater jedoch ab, einen kompletten Klonmenschen zu erschaffen, wie manche obskure Mediziner es angekündigt hatten.

Die komplette Kehrtwende kam im März 2008, als Wilmut seinen völligen Abschied vom Klonen ankündigte. Seither setzt er auf das Zurückprogrammieren von Hautzellen in einen Zustand, der embryonalen Stammzellen ähnelt. "Es ist nicht richtig, Frauen um Eizellspenden zu bitten, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit für das Klonen so gering ist", sagte Wilmut, der inzwischen an der Universität Edinburgh arbeitet.

Manchmal frustriert es ihn, wenn wissenschaftliche Fortschritte nicht gebührend gefeiert werden. "Mein Vater war Diabetiker und brauchte Insulin, das gerade erst zu seiner Zeit entdeckt wurde. Wäre er 20 Jahre früher geboren, hätte er nicht überlebt und ich wäre nicht geboren worden."

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